10.08.13 - Streetparade Zürich


Trotz oder gerade wegen dem ganzen Stress mit der Baustelle, habe ich mich heute in den Zug nach Zürich gesetzt, um mit knapp einer Million Menschen die Streetparade zu feiern. Bisher habe ich diese Veranstaltungen gemieden aber irgendwie hatte ich heut das Gefühl, etwas Ablenkung täte mir gut.
Erschrocken war ich einzig über die Berge an Müll. Die Stimmung war toll, das Wetter TipTop und die Musik ganz nach meinem Geschmack. Nächstes Jahr wieder aber dann ohne Rucksack und mit ein wenig mehr Alkohol!

 

28.06.13 - Vorabnahme, die Erste


Heute hatte ich meine erste Vorabnahme mit Wohnungseigentümern. „Planung ist alles“, heißt es so schön. Doch was nützt einem diese, wenn die Käufer andere Vorstellungen haben. Terminiert war die Vorabnahme auf 15.30 Uhr, um kurz vor Elf erhielt ich einen Anruf vom Käufer, sie wären schon um 12.00 in Davos und würden dann gern die Abnahme machen. Haha, liebe Käufer! Von 12.00 bis 13.00 ist in der Schweiz heilige Mittagspause, besonders in Davos. Da geht ganz sicher niemand mit Ihnen die Vorabnahme machen. Also hab ich Ihnen den Beginn um eins zugebilligt. Mein Projektleiter hatte nun leider keine Zeit da er eine Sitzung hatte. So blieb mir nichts übrig als allein meine erste Vorabnahme durchzuführen.
Ausgerüstet mit einem Doppelmeter (dt. Zollstock) ging es los. Doch schon beim ersten Gesprächspunkt begannen die Diskussionen. Die Bodenplatte unter dem Cheminèe (dt. Kamin). Auf dem Parkettboden benötigt man eine feuerfeste Unterlage. Glasplatte, Stahlplatte oder doch lieber Steinplatten wie im Flur? Die beiden Käufer diskutierten lange, mal auf Deutsch, mal in einer Sprache deren ich nicht mächtig bin. Ich stand daneben und schrieb, und strich wieder durch, gab Ratschläge, Erklärungen, schrieb wieder, strich wieder durch…zu einer Einigung kam es bisweilen noch nicht. Ist ja auch eine wichtige Entscheidung, so eine Bodenplatte…
Irgendwann ging die Frau dann in die Küche, und war begeistert. Vergessen war die Diskussion um die Cheminèeplatte.
So ging es dann weiter durch die Wohnung, hier ein kleiner Mängel, da Begeisterung (wussten Sie überhaupt noch was sie ausgesucht hatten??), die Wanne wurde in Beschlag genommen, den Handwerkern hätte ich was gehustet, wenn sie in die Wanne gesprungen wären, den Käufern konnte ich das nicht verbieten…
Dann kamen wir zum schwierigen Schlussteil mit sehr großem Entscheidungspotential. Die Sanitärutensilien mussten positioniert werden. Die Sachen waren natürlich noch schön verpackt im Sanitärmagazin im Untergeschoss verstaut. Und da dieser ja noch nicht vor Ort war musste ich alles in den dritten Stock schleppen, auspacken, an die Wand halten und bei richtiger Position markieren.
Nach über zwei Stunden war das Ganze dann vorüber und die Käufer zogen glücklich von dannen. Ich war ziemlich angefressen. Zum Glück war Freitag und der Feierabend und das Wochenende in Sichtweite…

 

27.06.13 - Bern


Der heutige Morgen fing denkbar schlecht an, so wie der gestrige Tag geendet hatte. Immerhin hatte ich besser geschlafen.  Nach dem Frühstück checkte ich aus, „Thank God“ es waren nur zwei Nächte, und eilte zur Bushaltestelle, da die nächste S-Bahn erst später fuhr. Wie überall in der Schweiz wollte ich beim Busfahrer mein Biliette kaufen. Pustekuchen! In Bern geht das nicht. Am Vortag hatte ich eine Tageskarte, da hatte ich das Problem nicht. Gut, der Berner Busfahrer wartete natürlich nicht bis ich am Automaten mein Ticket gekauft hatte. Dafür wartete ich auf den nächsten Bus.

 

26.06.13 - Abenteuer Bern beendet eh es richtig begonnen hat


Nach einer unruhigen Nacht und einem halbwegs erträglichen, wenn auch sehr überschaubarem Frühstücksbüffet machte ich mich auf den Weg ins Büro voller Tatendrang und Vorfreude auf meine neue Aufgabe.
Kaum angekommen, fragte mich ein Kollege, ob ich die Nachricht meines Projektleiters schon gelesen hätte. Nein das hatte ich nicht. Und sein Tonlage verriet mir, ich hätte es auch besser lassen sollen. Die Nachricht beinhaltete die plötzliche und unerwartet Kündigung eines Bauleiters, der in Davos zwei Baustellen betreut, die nun übernommen werden müssen. Eine davon geht nun an mich und nach gerade einmal zwei Wochen heisst es nun schon wieder „Bye,Bye Bern!“ Aber ich komme wieder, ganz sicher!!
Damit war für mich der Tag gelaufen. Ich schaute mir noch die Baustelle an, bei der ich hätte die Käuferbetreuung übernehmen sollen und fuhr gegen Mittag dann frustriert nach Naters, um dort die Mängel aus der Vorwoche zu kontrollieren. Immerhin war das Wetter schön, sonnig bei über 20°. Gut das ich meine Sonnenbrille im Hotel aber die beiden Jacken dabei hatte, weil es früh in Bern bewölkt und kühl war. Am frühen Abend machte ich mich dann auf den Rückweg. Was macht eine Frau wenn sie deprimiert ist? Richtig, sie geht Frustshoppen. Nur Pech das sich in meinem Fall der Frust beim Schuhe kaufen nach oben potenziert anstatt sich abzubauen. Und das in einem der tollsten Einkaufszentren die ich kenne, im Westside, einem genialen architektonischen Meisterwerk von Daniel Liebeskind, dessen Stil mich seit Jahren fasziniert.
Bis auf die berühmten Berner Mandelbären für eine Freundin, fuhr ich mit leeren Händen zurück ins Hotel. Wenigstens wollte ich noch einmal die Stadt genießen und fuhr in die Innenstadt, setzte mich in ein Straßencafé zum Abendessen. Ist das deprimierend alleine. Aber gut, ich war ja auf Geschäftsreise dort, nicht zum Vergnügen.

 

25.06.13 - Willkommen in Ostermundigen


Heut ging es schon am Mittag nach Bern, mit einem Zwischenstopp bei unserem ARGE Partner in Thalwil (bei Zürich). Das Hotel in Bern lag etwas außerhalb (im Ortsteil Ostermundigen, für alle die Googeln wollen), da die Citynahen schon alle ausgebucht waren. „Hotel Bären“ … klang nicht so schlecht, doch schon von außen traf mich fast der Schlag. Ein altes Gästehaus direkt am Bahnhof (gut, für die Anbindung in die City war es ideal), den Scharm einer Dorfkneipe in der sich die Ortsansässigen Alkoholiker jeden Abend zum Bier trafen. Es konnte Innen also nur besser werden. Wurde es aber nicht. Das Zimmer, so geräumig wie ein Hamsterkäfig, der Geruch nach Zigarette (Nichtraucherzimmer hatten sie keins mehr) so einladend wie ein Bahnhofs WC. Ich suchte schnell wieder das Weite und ging zum Abendessen (Firma zahlt :D ) ins zum Hotel dazugehörige Restaurant. Das muffige Ambiente mit dem Scharm der 70er setzte sich fort. Immerhin: Das Essen schmeckte wirklich gut. Gesättigt und müde fiel ich dann schnell ins Bett.

 

01.10.11 – Ascona, Locarno, Fusio aka Lago Maggiore und Maggiatal

Was früher Berlin oder Prag waren, sind heute Mailand, Zürich oder der Lago Maggiore. Gemeint sind die in einem Wochenende bequem zu erreichenden Kurztripziele in der Schweiz und Umgebung.

Das Wetter fürs Wochenende war super. Sonnenschein bei 26°. Ideal also für einen Trip in den Süden. Mein Tagesziel: der Lago Maggiore und das Maggiatal im Tessin. Zwei Stunden Fahrt lagen vor mir.

Mein Navi schien heute keine gute Laune zu haben. Alle 200m überlegte es sich eine andere Strecke, mal dort links abbiegen, ach nein, doch besser wenden…oder lieber nach rechts? Für den ersten Teil hielt ich mich lieber an meine Kenntnisse und die örtliche Beschilderung.

So fuhr ich auf der Autobahn dahin (die erstaunlicherweise zwischen Autobahn und Schnellstraße mit Kreisverkehren wechselte) bis das Navi mir sagte, ich solle rechts abfahren. Da ich mich nun in unbekanntem Terrain befand, tat ich, was mir befohlen wurde, mit einem etwas unguten Gefühl. Und ich sollte Recht behalten. Aus welchem Grund auch immer fuhr ich nun eine schmale, hucklige Bergstraße, erst recht allein, bis ich auf einen kleinen Touristenbus auflief, der nur sehr gemütlich die Straße entlang tuckerte. Bei den unübersichtlichen, engen Straßen war das Überholen unmöglich und mir blieb nichts anderes übrig als hinterher zufahren. Schließlich bot sich eine kleine Gelegenheit und ich war vorbei. Die Straße verlief nun entlang der Autobahn, die ich vorher verlassen musste. Mal rechts nebenher, mal wieder links…und nein! ich habe nicht die „schöne Route“ eingestellt. Bei der nächsten Gelegenheit bog ich gegen die Anweisung des Navis wieder auf die Autobahn ein. Ich Chef, du nix (Navi)!

Tessin liegt im italienischen Teil der Schweiz und so wurde ich auch auf meinem kurzen Zwischenstopp im Supermarkt damit konfrontiert. Für die einfachsten Sachen beim Einkaufen reichen meine Sprachkenntnisse zum Glück gerade noch.

Wenig später hatte ich mein erstes Ziel erreicht: Ascona. Diese Kleinstadt mit ihren ca. 5500 Einwohnern liegt direkt am Nordufer des Lago Maggiore und war 2008 EM Quartier der deutschen Fußballnationalmannschaft. Keine schlechte Wahl! AsconaAsconaAscona

Einen großen Parkplatz hatte ich recht schnell gefunden. Die Schwierigkeit bestand nun darin, dass man in dieser Gegend nicht mehr wusste, in welcher Sprache man sich unterhalten sollte. Italienisch? Deutsch? Oder besser Englisch? Bereits am Ticketautomaten kam es zu einer ersten Unterhaltung. Ein älterer Mann versuchte verzweifelt ein Ticket zu lösen aber der Automat reagierte nur mit einem Dauerton. Ich versuchte es mit Englisch, und meinte, dass der Automat wohl kaputt sei. Er antwortete ebenso perfekt, Glück gehabt! Ein junges Pärchen gesellte sich dazu und wir unterhielten uns - auf Englisch – was nun zu tun wäre. Als sich die beiden dann kurz miteinander unterhielten, stellten wir belustigend fest, dass wir uns auch hätten auf Deutsch unterhalten können, ebenso der ältere Mann. Einen zweiten Automaten schien es nicht zu geben, dafür aber Parkplätze, die kostenlos für die Dauer von bis zu 11 Stunden zu benutzen waren. Da an meinem Parkplatz keine Nummer stand (in der Schweiz haben die Parkplätze Nummern, die man am Ticketautomaten eingibt, dafür muss man kein Ticket ins Auto legen) hatte ich Glück.

So machte ich mich auf den Weg, ja wohin eigentlich? Ich hatte keine Ahnung, ohne Stadtplan und auf das Navi war heut eh kein Verlass. Nach ein paar Minuten erreichte ich erfreulicherweise die Fußgängerzone in der Innenstadt, dass konnte so falsch nicht sein. Und schon wenige hundert Meter weiter erstreckte sich der See. Die Uferpromenade war voller Menschen, viele kleine Stände rechts und links, zwischendurch Musikgruppen.

Ein bisschen genoss ich das Dolce Vita bevor ich mich auf machte, um ins benachbarte Locarno zu laufen. Gut, ich wusste nicht wirklich in welche Richtung ich laufen sollte, ich musste nur bis zu einer Brücke kommen, die beide Städte verbindet. AsconaSo ging ich weiter am Wasser entlang, umrundete einen riesigen Golfplatz, vorbei am Jachthafen und dann ohne Wegweiser querfeldein ins Hinterland. Ab und zu ein Hinweis auf Locarno doch schon bald fand ich mich in der tiefsten Pampa wieder. Ich hatte mich verlaufen. Aber umkehren und den ganzen Weg zurück laufen wollte ich auch nicht. Tatsächlich erreichte ich wenig später eine Brücke, nur die Autobahn aber immerhin mit Fußweg.

Den Flussarm konnte ich also queren, über die Autobahn musste ich noch. Wie gut das es hier einen Treppenturm mit Aufzug gab. Da ich schon genug gelaufen war, entschied ich mich für den Aufzug. Es dauerte eine Ewigkeit bis dieser sich mal in Bewegung setzte und nach unten kam. So schaute ich ein paar Feuerwehr Kiddies auf der anderen Straßenseite zu, wie sie Bierkästen übereinander stapelten (ala Stefan Raab). Endlich kam der Aufzug. Eingestiegen, Knopf gedrückt, Tür ging zu, Tür ging wieder auf, Tür ging zu, Tür ging wieder auf, Tür ging zu und wieder auf. Tür blieb offen. Ich stieg aus und nahm die Treppe. Mit dem Aufzug stecken zu bleiben wäre jetzt die Krönung auf meinem Irrtripp gewesen.

LocarnoAuf der anderen Seite bot sich eine schöne Wohngegend, und wieder ein paar Feuerwehrknirpse, heut war wohl ein Übungstag der Feuerwehr Minis, es sollten nicht die letzten sein. Bald kam ich an eine Festung, und siehe da, ein Stadtplan. Ich hatte die Innenstadt erreicht! Ein bisschen Sightseeing, ein kleines Mittagessen auf dem Piazza Grande und dann runter zum Hafen. LocarnoNach Ascona laufen kam nicht in Frage, viel schöner wäre doch eine Fahrt mit der Fähre über den Lago Maggiore. Ein paar Minuten dauerte es bis die Fähre kommen sollte. Als ich wartete viel mein Blick auf ein kleineres Boot, das extrem im Wasser schwankte. So wirklich seetauglich bin ich nicht und ich hoffte einfach darauf, dass mein Boot etwas größer ist. Doch was soll ich sagen, das schwankende Schiff war meine Fähre. Fahrzeit 40min, das musste reichen. Ich setzte mich ans Heck um einen guten Blick zu haben. Die Fähre fuhr recht schnell und nach und nach klatschen die Wellen ans Boot und schwappten auch auf das offene Heck. Einen älteren Herrn hatte es ganz schlecht getroffen, er wurde von jedem Schwappen überschüttet. Viel Platz zum Wechseln gab es nicht.

Eben jener sprach mich wenig später an, und zeigte auf meine Tasche (schleppe immer noch die Dresden Tasche mit mir rum) ob ich denn daher käme. Und siehe da, sie kamen auch aus Dresden. Tja, wie klein die Welt doch ist. Ein kurzer Smalltalk und schon hatten wir Ascona erreicht. Noch einmal kurz das bunte Treiben auf der Uferpromenade genossen bevor es zurück zum Auto ging.

Das nächste Ziel hieß Fusio, das höchstgelegene Bergdorf im hintersten FusioZipfel des Maggiatals. Das Tal erstreckt sich auf einer Länge von fast 50km und ist bekannt durch sein einzigartiges Gestein, dem Maggia Granit, den es nur hier gibt und ihn deswegen so wertvoll macht. Die fortgeschrittene Tageszeit ließ Abstecher entlang des Tals nicht zu und so fuhr ich schnurstracks geradeaus bis kurz vor den letzten Aufstieg wenige km vor dem Ziel.

Zum Glück ahnte ich nicht, was mich gleich erwarten sollte. Die wohl sechs schlimmsten Autokilometer meines Lebens sollten folgen. FusioSerpentinen habe ich in der Schweiz ja inzwischen genug gesehen, aber solche engen wie hier noch nicht. Nur ein Smart wäre wohl relativ gut um die einspurigen engen Kurven gekommen, sofern er nicht in der Steillage umgekippt wäre. Die Sicht war so eingeschränkt, dass man kein entgegenkommendes Auto sehen konnte und hoffen musste, dass man die Straßen“breite“ für sich allein beanspruchen konnte. Natürlich gelang das nicht immer. Typischerweise kommen einem immer an den engsten Stellen Fahrzeuge entgegen.

Während ich mich also so langsam nach oben schraubte, fragte ich mich, wie die Menschen wohl nach Fusio gelangen, die kein Auto besitzen oder fahren können. Ein Bus hatte hier definitiv keinen Platz in den Kurven. Ich musste mit dem Auto fast schon korrigieren, um überhaupt durch die Kurven zu kommen. Wenig später wurde mir die Frage auch schon beantwortet, als mir ein riesiges gelbes Postauto (aka Reisebus; das sind in der Schweiz Regionalbusse, heißen Postauto, weil früher die Menschen mit diesem mitgenommen wurden) entgegenkam. Auf dem Rückweg stand zumindest kein Bus im Weg, also hatte er es wohl nach unten geschafft. Erstaunlich!

AsconaIn Fusio verweilte ich nur kurz für ein paar Fotos, denn ich wollte rechtzeitig zum Sonnenuntergang wieder in Ascona sein. Gerade noch rechtzeitig konnte ich die Abendstimmung am See genießen. Mit Blick auf das nächtlich beleuchtete Ascona machte ich mich auf den Rückweg Richtung Davos.

Was uns Deutschen abgeht, ist das Faible für Kreisverkehre, welche es im restlichen Europa zur Genüge gibt. AsconaDie ersten Kilometer klang das Navi wie eine Schallplatte: in 200 Meter am Kreisverkehr die zweite Ausfahrt nach Bellinzona nehmen, kaum war man durch…in 400m am Kreisverkehr die dritte Ausfahrt Richtung Bellinzona nehmen. Dies wiederholte sich ca. fünf bis sechs Mal, bis ich das Wort Kreisverkehr nicht mehr hören konnte. War ich zuvor am Tag ja schon x-mal durch Kreisverkehre gefahren. Dass mein Navi der italienischen Aussprache nicht mächtig ist, macht es nicht gerade angenehmer.

Fazit heute: Ich bevorzuge den Süden für spontane Wochenendtrips!

Lektion des Tages: Auf das Navi sollte man sich besser nicht verlassen. Zumindest meins ist ein sturer Eigenbrötler.  

 

 

24.09.11 – Luzern, endlich

Nachdem wir seit Mai vor hatten, nach Luzern zu fahren, uns aber immer etwas dazwischen kam, hat es dieses Wochenende endlich geklappt. Sebastian und ich sind nach Luzern gefahren. Doch eine so langfristige Planung kann auch schieflaufen und so blieben wir unserem Motto treu und machten einen Spontantrip, völlig planlos; bis auf die Hotelreservierung.

Am späten Samstagvormittag machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof (Zürich HB). Zwei Minuten früher und wir hätten die S-Bahn sogar bekommen. Macht ja nichts, die nächste kam in 20 Minuten. Am Bahnhof angekommen, die Fahrkarten gekauft und etwas zu trinken, das Gleis gesucht … fünf Minuten früher und wir hätten den Zug noch bekommen. Macht ja nichts, der nächste fuhr eine halbe Stunde später. Luzern

Nach 50 Minuten Fahrzeit hatten wir Luzern erreicht. Der erste Anlaufpunkt war der Billettschalter der SBB (Schweizer Bundesbahn), denn Sebastian wollte sein Ticket umtauschen, da es für Hin- und Rückfahrt am gleichen Tag ausgestellt war und wir ja erst Sonntag zurück wollten. Umtausch war kein Problem, ich konnte mir auch gleich noch eins kaufen und schon konnte es auf die Suche nach dem Hotel gehen. Ein Telefon des Herstellers mit dem angebissenen Apfel sollte uns als Routenplaner helfen. Zunächst schickte es uns gefühlte dreimal um den Bahnhof, um zu SEINEM Ausgangspunkt zu kommen, der nicht mit jenem übereinstimmte, an dem wir uns grad befanden. Eigenartig.

Nun gut, schließlich folgten wir dem „Natel“ (schwiizerdütsch: Handy) und landeten direkt am Fähranleger vor dem Bahnhof. Fünf Minuten später und wir hätten das Schiff verpasst, ein bisschen Glück gehört eben auch dazu. Das nächste wäre in einer Stunde gefahren. LuzernDie Fahrt war nicht lang aber schon ein erstes Highlight, so über den Vierwaldstätter See zu fahren. Schon der erste Halt war unserer. Und weiter ging‘s, immer dem Handy nach. Es schien fast so, als ob es nicht so richtig wusste, wo es uns hinschicken sollte. Straßenschilder waren Mangelware, Menschen, die man fragen hätte können auch. So folgten wir etwas unsicher einer kleinen Gasse, die auf einen Parkplatz führte. Kurz darauf eine größere Straße. Offensichtlich waren wir zu weit, kehrten um und bogen rechts in einen kleinen Weg. Und standen in einem Wohngebiet. Von einem Hotel weit und breit keine Spur. Das erneute Kontaktieren der Website des Hotels offerierte uns eine weitere Adresse. So stellte sich heraus, dass wir uns auf der falschen Seite des Sees befanden. Toll. Ohne langes Überlegen haben wir im Hotel angerufen und nachgefragt, wie man zum Hotel kommt. LuzernÜberraschenderweise ist das Hotel nur mit Taxi zu erreichen?! Liegt soweit in der Pampa und ist mit 25CHF Anreisekosten verbunden. Eine Fahrt von Zürich nach Luzern und retour kostet 23CHF - nur zum Vergleich. Ein zweiter Anruf und glücklicherweise konnten wir die Reservierung kostenlos stornieren. Ärgerlich an der Sache war nur, dass wir nun den verbleibenden Tag die Rucksäcke durch die Gegend schleppen mussten. Die waren nicht gerade leicht und es war warm. Damit wir etwas mehr sehen, liefen wir entlang der Uferpromenade zurück zum Bahnhof. Dort hofften wir auf eine Gepäckaufbewahrung, jedoch gab es statt Schließfächern nur eine überwachte, die entsprechend teuer war. So trotteten wir MIT Rucksäcken wieder davon.

LuzernLuzernEine kleine Tour durch Altstadt und zum KKL (Kultur und Kongresszentrum Luzern) bevor es dann zurück an, bzw. auf das Wasser ging. Wir wollten eine Schiffsrundfahrt machen, um noch etwas mehr von diesem berühmten See zu sehen.

Als wir am Ticketschalter anstanden, liefen ein paar Inder an uns vorbei aufs Schiff. Noch ein paar… und noch ein paar. Nachdem wir erfahren hatten, dass es die Karten auf dem Schiff gibt, erfuhren wir ebenso, dass es schon fast ausgebucht war und es wohl eng Luzernwerden würde. Wäre uns nach den fast 100 Indern gar nicht aufgefallen… Wir hatten Glück und bekamen einen recht netten Platz im Freien am Heck des Schiffes. Gut dass wir saßen, denn nun folgten ein paar weitere Inder, gefolgt von einer Horde Japaner. Natürlich! Diese nutzten jede Gelegenheit für Fotos, eh sie die schon sitzenden Touristen von ihren Plätzen drängten, um nicht stehen zu müssen. Gut, dass sie ein paar Minuten später wieder aufstanden – um ein Foto zu machen. Hoffentlich war die einstündige Bootstour für sie keine Zeitverschwendung, was man in dieser Stunde alles hätte sehen können… Und warum blicken Japaner auf jedem Foto drein, als würde die Welt untergehen?

Nach der Bootstour gönnten wir uns dann noch ein Essen beim Italiener Luzernbevor wir uns auf den Rückweg zum Bahnhof machten, um zurück nach Zürich zufahren. Zuvor mussten wir aber noch die Fahrkarten umtauschen, diese galten ja für morgen.Wären wir fünf Minuten eher gekommen, hätte das Reisecenter noch offen gehabt. Macht ja nichts. Wir hätten drei Stunden warten können, damit unsere Fahrkarte das richtige Datum hätte, aber wir versuchten es doch lieber direkt beim Schaffner, der uns freundlicherweise mitfahren ließ und dafür die Fahrkarte einbehielt. Zurück am Bahnhof Zürich wollten wir schnell noch in den Supermarkt, wären wir fünf Minuten eher dagewesen, hätte er auch noch offen gehabt. Nun ja.

LuzernTagesfazit: Spontantrips laufen nicht immer so glatt wie Mailand aber es gibt viel zu erleben :) Einen Tag umsonst den Rucksack durch die sommerliche Wärme Luzerns geschleppt aber eine neue sehr schöne Stadt kennengelernt.  

 

 

19.09.11 – Goodbye Summer, Hello Winter


Wir schreiben Sonntag, den 18.09.2011, kalendarisch noch Sommer, meteorologisch Schneebereits Herbst. Doch die Realität sieht anders aus: Es schneit! Und wie! Schon den ganzen Tag hat es geregnet und gegen Abend ging dieser nun in Schnee über. Allmählich zog sich eine weiße Decke über Wiesen, Bäume und Häuser. Schon gegen 21.00 reichte es für einen kleinen Schneemann auf der Terrasse. Und es schneite weiter – die ganze Nacht hindurch.

Schneeman
Es ist Montagmorgen, der 19.09.2011. Alles ist ruhig. Eine dicke Schneedecke hat meinen Schneemann unter sich begraben. Ein traumhaftes Winterpanorama.


Nur leider ist erst September. Und mein Auto hat Sommerreifen drauf. Es lief definitiv auf Busfahren heraus. Und was zieht man an? Zwei Tage zuvor noch T-Shirt Wetter und heute die Winterjacke, Mütze und Handschuhe? Nee, das kam mir etwas zu abstrakt vor. SchneeAlso nur die Übergangsjacke und Handschuhe. Doch schon an der Haltestelle bereute ich diese Entscheidung. Ich fühlte mich zurück versetzt an meine ersten zwei Arbeitswochen in Davos, im eingeschneiten Halbdunkeln bibbernd an der Haltestelle. Auf dem Weg zurArbeit wurde mir eindrucksvoll die Cleverness der Natur demonstriert, dass Bäume erst ihre Blätter verlieren müssen, bevor es schneien sollte. Was passiert, wenn die Blätter noch hängen sah man heute. Der schwere Schnee brachte große Bäume zum umstürzen, Äste und Zweige knickten ab wie Streichhölzer.


Auf der Baustelle wurden 35cm Schnee auf dem Dach zusammengeschaufelt, was nicht nur Zeitverlust sondern auch Zusatzkosten verursacht. Aber so ist das nunmal im Hochgebirge.


Der Schnee blieb noch einige Tage liegen, aber zumindest am Mittwoch waren die Straßen schon wieder so frei und trocken, dass man problemlos fahren konnte. Nur auf den Bergspitzen liegt immer noch ein bisschen Schnee.


Will mal hoffen, dass sich der nächste Schnee noch etwas Zeit lässt.

 

 

03.09.11 – Rinerhorn oder: Heike und das liebe Vieh


Es gibt Geräusche, die können einem wirklich Angst einjagen. Die Kettensäge im „Texas Chainsaw Massacre“ , das Rascheln der Blätter auf einem Nachtspaziergang durch einen stockdusteren Wald  oder aber - das Läuten einer Kuhglocke! Klingt komisch? Ist aber so!
Da an diesem Wochenende zumindest für Davos noch schönes Wetter für den Samstag angesagt war, stand für mich einmal mehr eine Wandertour auf dem Programm. Endlich wollte ich doch mal den Berg vor meinem Fenster, das Rinerhorn erklimmen. Zwei bis Drei Stunden hatte ich eingeplant. Aber Erstens kommt es anders…


Halb zehn wanderte ich los, bepackt mit zwei Jacken, Essen und Trinken sowie der obligatorischen Kamera. Die Sonne strahlte, aber noch nicht so heiß, Rinerhorn Idylleperfektes Wanderwetter also. Einen Teil der Strecke kannte ich schon, damals machte mir jedoch die einbrechende Dunkelheit einen Strich durch die Rechnung, weiterzugehen.Das sollte sich heute ändern. Diesen Teil absolvierte ich recht problemlos, hatte mir jede Bank gemerkt. Als ich eine verlassen hatte, freute ich mich schon auf die nächste. Nun sollte zudem ein sehr idyllischer Grillplatz nebst kleiner Quelle kommen. Doch Pustekuchen! Eine Herde Kühe versperrte mir plötzlich den Weg. Sie grasten rechts und links des Weges und überquerten ihn auch nach Lust und Laune. Hmm, was nun? Kühe sind ja recht friedfertige Tiere aber sie sind größer und stärker als ich und treten im Rudel auf.


KalbIch wartete also kurz, bis sich jegliche Kühe weiter in die Wiesen verzogen hatten und als sich die letzten zwei Kühe entschlossen hatten, ihr Glück auf der anderen Seite des Weges zu suchen wagte ich mich mit schnellem Tempo an ihnen vorbei, nur um mit Schrecken festzustellen, das hinter einer Hausecke, hinter der gerade zwei Kühe verschwunden waren noch viele weitere den Weg blockierten. Es war zu spät, da musste ich nun durch. Zu meiner großen Erleichterung kam mir eine Wanderin mit Hund entgegen. Ich möchte nicht behaupten, dass ich mich über ihren großen Hund gefreut hätte, aber immerhin kam ich so besser durch die Kühe. Geschafft! Aus sicherer Entfernung beobachtete ich die Herde noch ein wenig, um mich vom Zwischensprint zu erholen und schon gings wieder weiter hinauf. Ab hier nun weiter auf unbekanntem Terrain. Aber das erste Zwischenziel war schon in Sichtweite. Eine kleine Gastwirtschaft, aber wohl nur für den Winterbetrieb.


Ich wanderte weiter. Bis, ja bis mir erneut der Weg versperrt wurde. In der Schweiz teilen sich nicht nur Radfahrer und Wanderer die Wege, sondern ebenso die Kühe haben ein gewisses Mitbenutzungsrecht. Von diesem machen sie hier ordentlich Gebrauch. Diesmal standen sie direkt auf dem Weg und machten keine Anstalten, sich weiter zu bewegen. Noch befand sich ein Elektrozaun zwischen uns. Ich wartete also dahinter, und hoffte, dass sie sich weiterbewegen würden. Aber das taten sie nicht. Tja, ich konnte ja hier nun nicht ewig herumstehen, also machte ich mir aufmunternde Gedanken „Kühe sind Vegetarier“, „Kühe sind träge“… und wagte mich langsam auf die Tiere zu. Schon EIN langer intensiver Blick einer Kuh reichte aus, um mich zum Rückzug zu bewegen. Schnell wieder hinter die elektronische Absperrung in Sicherheit. Da stand ich also wieder. Ob ich es mal den Hang hinauf probieren sollte? Das Unterfangen gab ich nach wenigen Metern auf, wer weiß wo ich da gelandet wäre. Also zurück zum Zaun. Dort wartete ich, und wartete und wartete. Ich hoffte inständig, das weitere Wanderer zu mir stoßen würden, damit ich mich nicht allein durch das Rudel kämpfen musste, aber wenn man schon mal auf Gesellschaft hofft, kommt mit Sicherheit keine. So langsam hatten sich die meisten Tiere ins Gebüsch verzogen und ich unternahm einen neuen Versuch…“Kühe sind Vegetarier“…“nur nicht zu ihnen schauen, einfach schnell dran vorbei“. Puh, diesmal ging alles gut und ich war vorbei. Nach wenigen Metern machte der Weg eine Biegung und da standen sie wieder! So langsam verging mir die Lust zum Wandern.


Auch dieses Mal kein Durchkommen. Mehrere Tiere hatten sich breit über den Weg verteilt und bimmelten fröhlich mit ihren Glocken. Zwei Jungs kamen auf ihren Fahrrädern dazu. Auch sie trauten sich nicht weiter. So warteten wir bis sich eine kleine Lücke auftat und die beiden nach dem Motto „Augen zu und durch“ los strampelten. Ich nutze die Chance und lief hinterher.


Normalerweise würde mich ein Schild mit der Aufschrift „Abkürzung“ sehr erfreuen. In diesem Fall blieb sie mir leider verwehrt. Ich muss sicher nicht erwähnen, wer sie versperrte… Der lange Weg zog sich noch eine Weile bergauf, jedoch zum Glück ohne weitere Tiere.


Nun begann der letzte Teil des Aufstiegs. Der Weg nur noch ein Pfad, teilweise kaum noch erkennbar. Aber auch hier oben sollte ich auf eins nicht verzichten: die Kuhweiden. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht mehr, ob das Leuten der Kuhglocken real war oder meine Ohren von dieser Dauerbeschallung einfach nur klingelten. Als ich die Herde über mir grasen sah, war mir klar, es war ersteres. Die Tiere waren ausnahmsweise weit genug weg und so konnte ich mich langsam, sehr langsam bis zum Fuße des letzten Gipfels vorarbeiten.

Kurz vor dem letzten Aufstieg hatte der Weg plötzlich ein Ende und vor mir lag ein riesiges Geröllfeld. Inmitten diesen Steinen war eine Wegmarkierung zu sehen. Das bedeutete nix Gutes. Aber was blieb mir anderes übrig, zurück wollte ich nun auch nicht mehr.So kletterte ich über die Steine, anschließend noch einen steilen Hang hinauf und endlich war ich OBEN. Naja fast. Nun ging es über den Grat bis hin zum Gipfelkreuz.

GeröllfeldAufstieg zum RinerhornRinerhorn Das Rinerhorn auf 2528m Höhe. 1051 Höhenmeter lagen nun hinter mir. Nach Gipfelbrötchen und Fotoshooting ging es auch schon wieder bergab. Schon von weitem sah ich die nächsten Vierbeiner traben. Hoffentlich gab es noch andere Wege nach unten als den Kuh-Expressway.  Natürlich nicht. Es folgte das obligatorische Warten, bis sich die Tiere im Hang mit dem Fressen beschäftigten und das schnelle Vorbeirennen. Schon bald hatte der breite Weg ein Ende und es ging entlang eines schmalen Pfades Richtung Tal. Auf dem GipfelVon oben hatte man einen guten Blick ins Tal und konnte so auch die Kühe gut orten. Die meisten von ihnen standen brav abseits der Wege, doch Ausnahmen gibt es überall. Warten und im günstigen Moment vorbeirennen, bloß nicht Richtung Kuh schauen, schön auf den Weg achten. Bis zur nächsten Gaststätte, der Mittelstation des Skilifts am Rinerhorn, ging es nun problemlos durch. Da sich der Tag inzwischen langsam dem Abend näherte, blieb keine Zeit für eine lange Rast.


Kurz hinter dem Gebäude teilte sich der Weg, in einen langen, leicht ansteigenden und eine ausgeschilderte Abkürzung. Das musste wohl diejenige sein, die mir auf dem Aufstieg verwehrt geblieben war. Aber ist eine Abkürzung wirklich eine Abkürzung, wenn sie durch eine Kuhherde führt? Mein Kopf sagte Nein, die Füße Ja zu diesem Weg. Ich hörte auf die schmerzenden Füße und wanderte weiter, mit der inständigen Hoffnung, nicht wieder hinauf zu müssen im Falle einer Blockade. Mit etwas Glück waren die Tiere ja inzwischen weitergezogen.


Den obligatorischen MP3 Player hatte ich längst in die Tasche gepackt, um ja keine Kuhglocke zu überhören und von einer Kuh überrascht zu werden. Ein leichtes Bimmeln war schon zu vernehmen. Vorsichtig ging es von einer Ecke um die nächste. Jedes Rascheln ließ mich kurz erschrecken. Dann hatte ich es geschafft. Die Kühe waren schon weitergezogen und ich konnte meinen Weg erleichtert fortsetzen. Diesmal nahm ich einen anderen Weg nach unten und konnte so schlauerweise die weitere kritische Kuhstelle (die erste des Tages) umgehen.


Im Wissen, die Kuhherden nun hinter mir gelassen zu haben, genoss ich die Stille in den Wäldern - inzwischen hatte ich die Baumgrenze schon wieder erreicht. Doch da, ganz leise in der Ferne eine Kuhglocke. Und wie ich so den Weg entlanglief, sah ich sie auch schon, logisch, mitten im Weg. Ein mir entgegen kommender Radfahrer wich kurzerhand auf einen anderen Weg aus, ich hatte diese Option leider nicht. Schlussendlich habe ich auch diese Hürde/Herde überwunden und hatte bis zum endgültigen Erreichen des Tals, dem Ausgangspunkt auf einer Höhe von 1477m nur noch die schmerzenden Füße und den Sonnenbrand zu fürchten.


Den heutigen Eintrag möchte ich nun mit einem Zitat aus dem Erlkönig beenden, das mir durch den Kopf ging, als ich die Wohnungstür öffnete: „…erreicht den Hof mit Müh und Not…“

 

 

30.08.11 - Käsefondue im Bärental

Für das heutige Feierabendprogramm stand etwas Besonderes auf dem Programm. Ich wollte hinauf auf eine Alp in meiner Wohngegend, um einen Kollegen und seine Freundin in ihrer Almhütte zum Z'Nachtessen zu besuchen. Doch vor das Essen hat die Natur einen Berg gestellt, auf den es nun für mich galt, hinaufzuwandern. Ein Stück weit konnte ich noch mit dem Auto ranfahren. Doch die kleinen Strassen auf die Berge sind schmal, sehr schmal. Gegenverkehr ein absolutes Hindernis. Und so kam es nun, dass ich hinter einer Kurve plötzlich keine freie Fahrt mehr hatte, doch nicht etwa ein Auto versperrte mir den Weg, sondern eine Herde Kühe kam mir entgegen. Erschrocken stellte ich mich an den Strassenrand und hoffte, das die Kühe schnell vorbeitrotten würden. Diesen Gefallen taten sie mir leider nicht. Sie hielten es für interessanter, sich um mein Auto zu verteilen, an der Frontscheibe zu schnuppern und sabbern und hineinzuschauen. Da sass ich nun, eingesperrt im Auto, hungrig, mit dem Gedanken an ein leckeres Käsefondue und dem noch langen, vorgestellten Aufstieg. Endlich war am Ende der Strasse ein Bauer zu sehen und sobald er mich erreichte zogen auch die Kühe langsam wieder weiter. Zum Glück hatten sie nicht noch die Festigkeit der Karosserie mit ihren Hufen getestet!

Und weiter ging's. Noch ein paar Meter bis ich mein Auto nun endgültig abstellen und den Weg zu Fuss fortsetzen musste. Immer mit der Angst, es könnten mir weitere Kühe entgegenkommen, machte ich mich an den Aufstieg. Angetrieben durch den Gedanken ans Essen ging ich recht flott, um eine Kurve, um noch eine Kurve, und noch eine Kurve. Der Weg zog sich, ich hatte ihn irgendwie kürzer in Erinnerung. Kurz vor der Alp machte ich eine weitere Pause und entschloss mich dann, einem Wegweiser mit der Aufschrift "Abkürzung 10 Min." zu folgen. Ob das eine gute Idee war? Als ob es nicht bis hier her schon steil genug gewesen wär, ging es nun in steilstem Winkel einen schmalen Pfad durchs Gebüsch hinauf.

Bärentaler AlpSiehe da, keine 10 Min. später erreichte ich eine Hütte. Nur ein kleines Gasthaus aber immerhin. Nun musste ich nur noch das richtige Haus finden. Es ist nicht so, das jede Almhütte auch eine Klingel mit Namensschild hätte...hmm

Zum Glück hatte mein Kollege mich gesehen und öffnete die Tür. Geschafft!

Eine echte Heidi Idylle bot sich mir. Die urige Hütte ganz aus Holz, ein riesiger alter Ofen, der auf Hochtouren lief. Kein Strom aber Solarzellen, die ein paar Glühbirnen erleuchteten. Ein Autoradio sorgte für ein wenig Musik. Einfach wunderschön.

Dazu das passende Essen, schweizer Käsefondue mit Ciabattabrot, dazu einen Weißwein. Zum Dessert russischen Zupfkuchen. Viel zu schnell ging der Abend vorbei und es wurde dunkel. Damit hieß es für mich wieder Abschied nehmen, denn ich musste im Gegensatz zu den beiden morgen arbeiten.

Die Optionen für den Rückweg hießen Kuhherde oder Hund. Ich entschied mich für die Steaks in Spe und folgte zunächst dem großen Wanderweg. Schon aus der Ferne hörte ich die bimmelten Glocken und mir wurde nicht weniger mulmig als zuvor auf dem Hinweg. Nur diesmal ohne ein Auto um mich herum. Die Kühe hätten statt der Glocke lieber eine Lampe umhängen haben sollen, dann hätte ich sie gesehen und nicht durch die Glocke orten müssen. So kam es dann, das plötzlich eine Glocke zwei Meter neben mir läutete, die Kuh dazu saß am Wegesrand. Kurz erschrocken und gehofft, das keine weitere Kuh sich in Richtung Weg begeben würde lief ich nun so schnell wie möglich talwärts. Endlich erreichte ich die elektrische Absperrung und ein wenig erleichterter ging es weiter. Die Taschenlampe leuchtete mir den Weg und ich hoffte, das mir keine weiteren Tiere mehr begegnen würden. Nach gut 20 Minuten hatte ich das Auto erreicht. Müde aber mit tollen neuen Eindrücken fuhr ich die letzten km zurück zu meinem Haus. Damit endete ein kurioser und sehr schöner Abend, der mir die Schweiz wieder ein Stückchen näher gebracht hat.

 

14.08.11 – Grillieren mit Stefan und Stefan


Stefans letzter Abend im Schwitzerländli war angebrochen und den wollten wir mit einem Grillabend ausklingen lassen.  Das Wetter hatte sich gehalten, beste Voraussetzungen also. Kurz nach sechs ging es los. Erfahrungen hatten wir beide noch nicht mit einem naturholzbefeuerten Steinofen. Ein bisschen „Gipfelzytig“ zum Anfeuern, ein paar Stöckchen und frisches Holz in den Freiluftofen. Tisch eingedeckt, schnell noch eine Grillzange vom Nachbarn geliehen und gewartet bis die Kohlen glühen. Schnitt. Zwei Stunden später. Wir saßen am gedeckten Tisch, der Magen inzwischen auf halb acht und warteten, dass sich die qualmende Glut endlich nützlich macht und unsere Esswaren erhitzt. Kurz vor neun war es dann endlich soweit. Mein Nachbar, der sich inzwischen zu uns gesellt hatte und zwischenzeitlich ein paar frisch gesammelte Walderdbeeren verzehrt hatte, war sicher satt geworden, im Gegensatz zu uns, Odr? ;) Mit Einbruch der Dunkelheit waren Steaks und Würstchen dann durch, so dass wir ENDLICH essen konnten. Das nächste Mal gibt’s dann besser Knüppelteig über dem offenen Feuer geröstet. Da geht wohl weniger schief…es sei denn es verbrennt…hmm…

 

 

13.08.11 – Sonnenuntergang auf dem Schwarzhorn (3147m)


Für unser heutiges Tagesprogramm hatten wir uns etwas ganz besonderes vorgenommen. Schon seit langem wollte ich endlich einen Sonnenuntergang in den Bergen erleben und auf Tipps meiner Kollegen hin, hatten wir uns das 3147m hohe Schwarzhorn gewählt. Angeblich der höchste Davoser Berg und der ideale Ausblick für Sonnenaufgänge, hielten wir es für sicherer, uns zunächst den Weg im Hellen anzuschauen, um dann bei Dämmerung, respektive Dunkelheit auch den Abstieg zu meistern. Um die Mittagszeit machten wir uns auf den Weg Richtung Flüelapass. Zunächst genossen wir ein Mittagessen in einem urigen Schweizer Gasthaus, bevor wir dann mit dem Auto bis kurz Schafhinter die Passhöhe auf einen kleinen Parkplatz fuhren, von wo aus unsere Tour starten sollte. Mit genügend Zeiteinplanung und einer umfangreichen Ausrüstung (Essen, Trinken, warmen Sachen, Taschenlampen und Kameras) ging es um 14.00 Uhr los, Richtung Schwarzhorn. Unzählige Wanderer kamen uns um diese Zeit schon wieder entgegen, es ging vorbei an Schafen, Flüsschen immer bergan. Nach einer guten Stunde wurde der Weg zunehmendsteiler. Der recht gut läufige Bergpfad entwickelte sich mehr und mehr zum unsicheren Pfad. Langsam mussten wir über abgerutschte Gerölllawinen klettern, kein Stein fest auf dem anderen. Uns wurde zunehmend mulmiger wenn wir an den Abstieg im Dunklen dachten. Aber schließlich waren wir ja nicht die einzigen, die sich schon auf den wohl so viel bestiegen Berg quälten. Immer wieder kamen uns Menschen entgegen.


Man hatte man den Eindruck, es konnte nicht mehr weit sein und dennoch nahm der Aufstieg kein Ende. Die Freude beim Erblicken des Gipfelkreuzes währte nur kurz, in Anbetracht der Entfernung und Höhe, auf dem es sich befand. Kaum war ein Hügel überquert kam nach dem nächsten kurzen Flachstück der nächste, noch höhere Hammer. So zog sich der Aufstieg, bis wir endlich einen Sattel erreicht hatten, hinter dem es ausnahmsweise wieder steil bergab ging. Aber was nützt das schon, wenn der eigentliche Weg sich in einen steilen Weg nach links und einen noch steileren nach rechts orientierte. Eine kurze Verschnaufpause um den jetzt schon atemberaubendem Blick zu genießen, und weiter ging‘s. Da das Schwarzhorn der höchste Berg der Gegend war, mussten wir wohl oder übel den steileren Weg nehmen. Immerhin hatte es den Anschein, dass nun der finale Aufstieg begann – ein Trugschluss!


An dieser Stelle wurden nun aus 100% „Bergsteigern“, die diese Wandertour begonnen hatten, 50% die weiter kletterten. Die anderen 50% wollten sich den weiteren Aufstieg und die damit verbundenen Schwierigkeiten nicht weiter antun. Jedenfalls kurzzeitig. So kraxelte ich alleine weiter, den steilen Hang hinauf am Abgrund entlang – dem offiziellen Wanderweg. Das Gelände bestand inzwischen nur noch aus Geröll und ein paar Felsen. Die Wegzeichen waren jetzt alle paar Meter gesetzt. Sonst hätte man vermutlich nicht gewusst, wo der weitere Aufstieg sich entlang schlängelte. Nach wenigen Minuten und ein paar weiteren Höhenmeter kamen mir wieder zwei Wanderer entgegen, die mich mit den Worten „Dann sind wir ja doch nicht die letzten!“ begrüßten. Inzwischen wollte ich es doch mal riskieren, und fragte wie weit es denn noch bis zum Gipfel ist, noch etwa eine Stunde Aufstieg, nein, dieses Wissen hätte ich mir doch besser erspart! Immerhin war ich bis hierher schon fast drei Stunden unterwegs (Fotopausen eingeschlossen). Nach einem kurzen Plausch ging es weiter, bergauf.


Nach mehr als einer halben Stunde und gefühlten drei Höhenmetern machte ich wieder einmal Halt, um die schöne Aussicht zu genießen, da traute ich doch meinen Augen nicht, sah ich unten an der Bergkante doch tatsächlich einen weiteren Bergkraxler kommen, den Stefan! Hatten ihn die beiden deutschen Touristen doch tatsächlich motiviert, den letzten Abschnitt auch noch in Angriff zu nehmen? In der Tat! Die Macht der Landsleute. So verweilte ich etwas länger auf meinem Stein in der Sonne und wartete.


GipfelkreuzNun ging es wieder zusammen weiter. Wieder eine Kuppe erklommen und wieder ein nochhöherer Felsen dahinter. So langsam schwand auch bei mir die Motivation, den Gipfel noch zu erreichen. Doch plötzlich der erlösende Anblick: das Gipfelkreuz in unmittelbarer Nähe! Die letzten Meter kletterten sich gleich doppelt so schnell und endlich waren wir GANZ OBEN! Auf 3147m!


Ein unbeschreiblicher Blick, Mont Blanc und Grossglockner Schichtbergein der Ferne. Sechs bis siebenSchichten Berge, von der nun schon ganz leicht Richtung Abendhimmel scheinenden Sonne angeleuchtet. Zu dieser Uhrzeit waren wir nun schon die letzten auf dem Gipfel, Abendbrot, der obligatorische Eintrag ins Gipfelbuch und schon begann die Fotosession.

Doch erstaunlicherweise hatten wir den Gipfel nicht allzu lange für uns allein. Vier Wanderer bestiegen die Spitze und gesellten sich zu uns. Auch sie wollten den Sonnenuntergang von hier oben genießen. Wir hatten Gipfelbuchindes beschlossen, vor Einbruch der Dunkelheit doch wieder ein paar Meter abzusteigen, um nicht im Dunkeln über das steinige Gelände zu müssen. Als wir nun erfuhren, dass die vier Schweizer sich gut auskannten und scheinbar öfter Touren im Dunkeln bestritten, beschlossen wir, zu bleiben. Und was macht man nun wenn man noch zwei Stündchen Zeit hat, bis zum Sonnenuntergang? Man unterhält sich. Es sollte mich nicht wundern, dass einer der Schweizer meinen Chef kannte. Ihm gehört wohl ein Haus in Davos, was er gerade umbaut.

Als wir uns dann kurze Zeit wieder zwischen Deutschen und Schweizern aufteilten, schnappten wir beiläufig auf, das die Schweizer das Schwarzhorn in 1,5 Stunden erklommen hatten – im Gegensatz zu unseren vier – und wir hielten es doch für klüger, schon ein wenig den Abstieg im Hellen zu absolvieren. Schnell noch die Visitenkarten ausgetauscht und ein „Bis später“ – wir waren sicher, dass wir trotz Vorsprung nicht als erstes am Auto ankommen würden – und wir machten uns an den ersten Teil des Abstieg. Panorama SchwarzhornNach fast einer Stunde, suchten wir uns ein schönes Plätzchen auf einem kleinen Felsen und ein wenig Gras und machten es uns bequem. Nach dem Gipfelbrötchen gab es nun das zweite Abendbrot, Kamera eingerichtet und nun warteten wir. Und warteten. Es wurde zunehmend kälter, der Wind frischte auf, die Wolken zogen schnell vorbei. Und wir warteten und froren, so langsam näherte sich der Zeitpunkt, an dem die Sonne untergehen sollte. Der Himmel färbte sich rötlich. Auf der einen Seite ging die Sonne unter, auf der anderen der Mond auf. Das ganze Spektakel dauerte nur knapp 20 Minuten, war atemberaubend schön und dennoch waren wir froh, dass wir dann endlich talwärts wandern konnten, die schwierigen Wegstellen noch im hellen passieren. Beim Laufen wurde es auch ein wenig wärmer. Wir waren kaum 10 Minuten gelaufen, da hörten wir ein lautes Pfeifen. Wir drehten uns um und sahen auf dem Gipfel vier winkende Menschen stehen. SonnenuntergangDie Schweizer hatten sich also noch nicht auf den Heimweg gemacht. Wir sahen zu, dass wir möglichst schnell runter kamen. Vorsichtig über die losen Steine und Geröll. Es wurde immer dunkler, trotz Vollmond und je dunkler es wurde, umso schwieriger der Abstieg. Ab und zu hielten wir kurz, um zu schauen, ob wir Taschenlampen anderer Wanderer sehen. Aber nichts, alles dunkel. Immer weiter zügig bergab. Inzwischen war es stockfinster, ein bisschen Mondschein und die Lichtkegel der Lampen halfen uns den Weg hinab. Plötzlich kamen wie aus dem Nichts, vierWanderer hinter uns. Aus der Dunkelheit in unser Scheinwerferlicht. Kein Wunder das wir sie nicht gesehen hatten, sie brauchten keine Lampen. Ein kurzes SonnenuntergangGespräch um die Erfahrungen des Erlebten auszutauschen und dann marschierten sie an uns vorbei. Wir folgten.Keine fünf Meter und schon hatten wir den Anschluss verloren.Der Weg wurde wieder steiniger, die Straße noch in weiter Ferne. Diesen Weg waren wir nicht heraufgekommen. Querfeldein ging es nun über weiteres Geröll.Ein paar Minuten vergingen und wir erkannten die Schweizer bereits auf dem Parkplatz, wo auch unser Auto stand.Wie hatten sie das im Dunkeln so schnell geschafft?? Nach einer gefühlten halben Stunde später erreichten auch wir gegen 23.00 Uhr das Auto wieder, das wir vor 9 Stunden verlassen hatten, um den Sonnenuntergang auf dem höchsten Davoser Berg zu erleben.

Beflügelt von den traumhaften Eindrücken entschieden wir uns kurzfristig, nach dem Sonnenuntergang auch den kommenden Sonnenaufgang auf einem „Hügel“ hinter meinem Haus zu erleben. Dazu mussten wir allerdings schon um 3.00 Uhr wieder aufstehen, nachdem wir ja erst um 24.00 Uhr im Bett waren. Als der Wecker nun 3 Stunden später schon wieder klingelte, war die Lust, nun aufzustehen doch erheblich gesunken und so wurde der Wecker einfach ignoriert. Nun gut, die nächste Chance wird kommen. Wahrscheinlich schon eher als ich denke…

 

 

12.08.11 – Museumsnacht


Heute fand in Davos die 5. Museumsnacht statt. Da ich bisher noch in keinem der zahlreichen Museen war, ein Grund, dies heute zu ändern. Mit meinem Besucher Stefan, der eine Woche Urlaub in der Schweiz verbringt, machte ich mich nach Feierabend auf den Weg zum Kirchner Museum. Kirchner, ein expressionistischer Maler und Mitbegründer der Dresdener Künstlergruppe „Brücke“, lebte und schaffte viele Jahre in Davos.

Nun war das nicht meine erste Museumsnacht, und ich weiß von jenen in Dresden, worauf es ankommt: man muss schnell sein, sonst steht man lange an oder kommt gar nicht erst rein. Das wollten wir natürlich vermeiden und waren so rechtzeitig vor Beginn am Museum. Sorgen, dass wir nicht hinein kommen würden mussten wir uns hier allerdings wirklich nicht machen. Weit und breit war keine Menschenseele zu sehen. Gut, es waren auch noch ein paar Minuten Zeit und so machten wir noch einen kurzen Bummel durch einen in der Nähe liegenden Park. Punkt 19.00 Uhr standen wir wieder vor dem Museum, immer noch Mutterseelen allein. Die Tür öffnete sich und wir wurden freundlich begrüßt und zum Eintritt gebeten. Das von außen groß wirkende Gebäude entpuppte sich Innen recht klein und so waren die paar Räume in weniger als einer halben Stunde schon besichtigt. Ernst Ludwig KirchnerDamit konnte es weiter gehen, ins nächste Museum: dem Spielzeugmuseum. Dieses, von außen recht unscheinbar war schon wesentlich besser gefüllt, gut, die Museumsnacht war inzwischen auch schon ein paar Minuten älter. Ein Zauberer hielt die Leute im Erdgeschoss bei Laune, doch irgendwann beendete er dann doch seine Show, und wir konnten uns durch drei Stockwerke Puppen, Puppengeschirr und Eisenbahnen kämpfen. Zu guter Letzt noch ein paar animierte Gebilde aus Opas Metallbaukasten und schon waren wir auch durch das zweite Museum durch. Als nächstes Stand das Wintersportmuseum auf dem Programm. Das versprach viel interessantes, aber das hatte das Spielzeugmuseum auch. Immerhin war es schon ordentlich gefüllt, Snacks und Getränke gab es hier sogar umsonst. Es ging vorbei an Skiern aus Holz bis hin zu einem Schrein für Simon Amman, einem noch aktiven, sehr erfolgreichen Skispringer. Auch eine große Ausstellung über Davos liebstes Kind, den Eishockeyverein HC Davos (aktueller Schweizer Meister 2011; 5-maliger Meister innerhalb der letzten 10 Jahre) durfte natürlich nicht fehlen. Ebenso der Spengler Cup, ein Eishockeytournier, gegründet von einem Deutschen und mit internationalen Mannschaften besetzt.


Doch auch dieses Museum war recht schnell besichtigt, obwohl Davos immerhin Austragungsort verschiedener Weltcupsportarten ist und ein Skisportgymnasium beherbergt, hielt sich die Ausstellung in Grenzen. Nun war es schon kurz vor neun und da das Medizinmuseum nur einen Steinwurf entfernt lag, machten wir also auch da noch einen Abstecher hinein. Museum ist in diesem Fall etwas übertrieben, ein kleiner muffiger Raum, mit ein paar verstaubten Medikamenten aus dem letzten Jahrtausend boten sich unseren Blicken, keine 5 Minuten später, waren wir durch. So langsam reichte es uns dann auch, immerhin sind wir überall problemlos reingekommen und haben das gesehen was wir uns vorgenommen hatten. Ein Vergleich mit einer großstädtischen Museumsnacht ist hier natürlich fehl am Platz.

 

05.08.11 - Lai da Palpuogna (oder: die Chronologie des Schreckens)

Ein Ausflug wie jeder andere? Aber nicht doch! Vor ein paar Tagen, oder Wochen? hatte ich bei der Rückreise meines Italientripps nach der Überquerung das Albulapasses einen kleinen See entdeckt, der herrlicher nicht in der Landschaft hätte liegen können. Da es an diesem Tag regnete fuhr ich nur vorbei und beschloss, bald wieder zukommen und mir die Gegend genauer anzuschauen. Heute nach Feierabend bot sich die Gelegenheit. Es regnete grad nicht in Strömen und so packte ich meine Ma, die nach München noch ein paar Tage in Davos Urlaub machte, ins Auto und los gings zum ca. eine Stunde entfernten See.Panorama Palpuogna SeeDas Wetter war nach wie vor nicht das Beste, tiefe Wolken zogen an den Bergen vorbei, dennoch waren wir nicht die einzigen Spaziergänger. Auch ein paar Angler harrten neben ihren Angelrouten aus. Mit dem Blick auf den See und die auf der anderen Hangseitenoch nichts ahnend vom drohenden Ungemach ...grasenden Kühe ging es aufgrund zahlreicher Fotostopps langsam voran. Wir wollten nur eine Runde um den überschaubaren See laufen. Doch der Weg um den See führte höher und höher in die Berge hinauf. Langsam begann es zu tröpfeln. Unterwegs nun die Brote essend - eine schöne Sitzgelegenheit im Sonnenuntergang am PferdeSee war nun wirklich nicht mehr zu erwarten - hörten wir plötzlich Pferdewiehern aus nächster Nähe und keine drei Sekunden später kam uns hinter einer Kuppe ein riesiges Pferd entgegen, dann ein zweites, ein drittes... Erschrocken und in Panik kletterten wir den nächstgelegenen Abhang hinauf ins Gebüsch, in der Hoffnung, die Pferde würden nicht folgen. Tatsächlich liefen sie den Weg weiter, den wir gerade gekommen waren. Wir hofften auf einen Menschen, der den Tieren folgte, stattdessen kam am Ende der Gruppe ein weiteres riesiges Pferd mit einer kleinen Glocke um den Hals. Als es uns sah, stoppte es, und so taten es auch die anderen. Alle drehten sich nach uns um und wir befürchteten das Schlimmste. Würden sie zurückkommen und uns durchs Gebüsch folgen?

Wir waren gefangen, zwischen Sträuchern und Bäumen, Gestrüpp und modrigem Gras, der Rückweg versperrt durch die wartenden Pferde, unsicher, ob von der anderen Seite nicht noch mehr Tiere folgen würden. Vorsichtig kämpften wir uns weiter durch das Gebüsch. Nach ein paar Minuten, und dem Abwiegen sämtlicher Alternativen, entschieden wir uns vorsichtig, zurück auf den Weg zu klettern und diesem in die Richtung, aus der die Pferde kamen weiter zu laufen. Laufen ist etwas untertrieben, in Anbetracht der drohenden Gefahr im Rücken, mit dem Blick also stets nach Hinten gerichtet rannten wir den Weg weiter und weiter. Es hätte auch ein Bär hinter uns her sein können, das Gefühl wäre nicht besser gewesen.

Einige Minuten später erreichten wir das rettende Ufer, ein abgesperrtes Weideland, das für Fussgänger passierbar, für Tiere aber durch einen Elektrozaun abgetrennt war. Da standen wir nun. Nass, K.O., das Auto in weiter Entfernung am unteren Ende des Sees. Lediglich eine Straße führte zurück, eine enge Bergstraße, gehüllt in Nebelschwaden. Oder der Weg, den wir gekommen waren, in dessen Mitte die Pferde standen und warteten. Wir entschieden uns für Pest und wählten die Straße. Bereits nach wenigen Meter ergab sich Kühejedoch die Möglichkeit, zurück auf die Weide zu klettern, die Unterquerung eines Elektrozauns empfehle ich nur im äußersten Notfall - dieses war einer. Nun ging es entlang eines steilen Abhangs, über inzwischen nasse Wiesen, es regnete seit geraumer Zeit in Strömen, über Sturzbäche auf einem matschigen Pfad. Den Spuren nach zu urteilen, waren vor uns schon andere hier unterwegs gewesen. Vierbeiner mit großen Glocken um den Hals - die Kühe, die wir zuvor noch aus sicherer Entfernung von der anderen Seeseite aus beobachtet hatten. Aus Angst vor einer Wiederholung der Ereignisse vom Hinweg, drehten wir um und kletterten bergauf bis zur Straße, kurz geschaut das kein Auto kommt und unter dem Elektrozaun durch, zurück auf die Straße.

So ging es also entlang der engen, kurvenreichen Bergstraße, links der Elektrozaun hinter dem die Kühe schauten, und um uns herum dichter Nebel. Nein, so hatten wir uns das wirklich nicht vorgestellt! Mit der Angst im Nacken, von einem Auto im Nebel übersehen zu werden, dem Gedanken, alternativ über den Elektrozaun über die matschige Kuhweide zu laufen, zügig die Straße hinunter, vor den Kurven etwas schneller.

Pudelnass und halbwegs unbeschadet erreichten wir endlich das Auto. Nur noch heim! Und beim nächsten Besuch am Palpuogna See will ich Sonne und keine Tiere! Ausgenommen Eichhörnchen vielleicht...

 

 

30.07.11 - 01.08.11 - München

Anlässlich des Schweizer Nationalfeiertags am 1. August hatte ich frei. Dieses Jahr glücklicherweise auf einen Montag fallend. Und was macht man als Deutscher Einwanderer an diesem Tag? Richtig, man fährt nach Deutschland und freut sich der offenen Geschäfte!

Der Samstag (30.07.) startete holprig. Noch ein wenig mitgenommen nach der kurzen Nacht durch das Baulinkfest, musste ich (un)freiwillerweise zeitig aufstehen, so wie jeden Tag in der Woche. Nun wollte es der Zufall leider, das ausgerchnet heute der Davoser Marathon - Swissalpine stattfand. Bei diesem gibt es verschiedene Strecken, die längste 78km. Wohlgemerkt befinden wir uns hier in den Bergen, die Strecken gehen alle auf mehrere Pässe, auf und ab! Respekt vor allen Läufern! Die Langstrecke führte nun auch noch direkt an meinem Haus vorbei, so das die Straße von 7.00 - 8.45 gesperrt war. So war ich im wahrsten Sinne eingesperrt und musste warten, bis die Sperrung aufgehoben wurde. Das gab mir die Gelegenheit, den Läufern ein wenig zuzuschauen, wie sie an meinem Fenster vorbei liefen. Schon jetzt, eine halbe Stunde nach dem Start war das Feld extrem langgezogen. Es dauerte fast eine Stunde, bis alle vorbei waren. Die Wettkampfdauer für gute Athleten beträgt zwischen 8 und 9 Stunden.

Aufgrund zahlreicher Straßensperrungen musste ich über Umwege ins Tal fahren und erreichte München erst nach dem Mittag. Ein kurzer Zwischenstopp bei einer Freundin und schon ging es weiter zum Bahnhof, um meine Ma abzuholen. Kurzer Check In im Hotel, direkt in der Stadt gelegen und schon ging es los auf einen Bummel durch die City. Mein letzter richtiger München Besuch liegt bereits 12 Jahre zurück, wurde also wieder mal Zeit.Blick über MünchenUm nun in meinem Schweizer Blog nicht allzu viele Worte über Deutschland zu verlieren, ein kurzer Abriss der zwei Tage: City - Hofbräuhaus - Hofgarten - Starnberger See - Starnberg - Possenhofen

RoseninselStarnbergPossenhofen

Allianz Arena - Englischer Gaten - Chinesischer Turm - Eisbach - BMW Werk - Olympia Gelände - Olympia Stadion - Schloss Nymphenburg und zu guter letzt habe ich auch noch ein paar Geschäfte von Innen gesehen. Mein eigentliches Ziel des Münchentripps, das großflächige Shoppen, habe ich vor lauter Sightseeing gar nicht mehr geschafft.

Allianz ArenaBMW WerkNymphenburg

Der Rückweg führte dieses Mal über Garmisch-Partenkirchen, durch zwei Supermärkte, vorbei an der Zugspitze durch Österreich zurück in die Schweiz. So langsam neigte sich der Montag dem Ende zu. Es wurde langsam dunkel. Doch anlässlich des Feiertags wurden überall in den Bergen große Feuer angezündet, ähnlich der deutschen Maifeuer, die nun weithin sichtbar waren. Im Sonnenuntergang ging es über die Passhöhe des Flüelas, gerade rechtzeitig zu den zahlreichen Feuerwerken, die nun überall abgeschossen wurden.

Damit fand das lange Wochenende und der 720. Geburtstag der Schweiz ein schönes Ende.

 

 

29.07.11 - Baulinkfest

Heute war es nun endlich soweit: das vielbesagte, alljährliche Baulinkfest stand auf dem Programm. Dieses ist eine Veranstaltung meines Arbeitgebers für Mitarbeiter, für Baulink arbeitende Unternehmen und ihre Mitarbeiter sowie Wohnungseigentümer. In einem Festzelt in Davos Monstein gab es Berner Spezialitäten, anlässlich der Eröffnung unserer neuen Geschäftsstelle in Bern. Für gute Unterhaltung sorgten neben dem Essen zwei Clowns mit Zaubertricks und allerlei Witzen. Gut das Shuttlebusse zur Verfügung standen, so konnte man (ich) auch bei den Getränken mal ordentlich mit dem Rest mithalten :D

Schwierig nur die letzten Meter vom Bus bis zum Haus im stockdunkeln. Gut das die Baustelle auf dem Weg abgesperrt ist, sonst wär ich vermutlich noch in die Grube gefallen...

 

 

28.07.11 - "Donnschtig Jass"

Als ich das erste Mal von "Donnschtig-Jass" hörte, glaubte ich noch an eine donnerstägliche Jazzveranstaltung, bei der unterschiedlichen Aussprache der deutschen Wörter hier hätte es ja durchaus sein können. Die irritierten Gesichter meiner Schweizer Kollegen verrieten mir jedoch, das ich wohl falsch lag.

Beim "Donnschtig-Jass" handelt es sich um eine im Sommer wöchentliche Veranstaltung - jeden Donnerstag - in der das scheinbar nur in der Schweiz bekannte Kartenspiel Donnschtig-Jass"Jass" gespielt wird. Dafür ist es hier eine Art Volkssport, so beliebt, dass das Schweizer Fernsehen sogar LIVE die Spiele überträgt. Keine Frage, das musste ich mir doch mal genauer anschauen. Nach Feierabend ging es mit zwei Kolleginnen zur Veranstaltung. Eine halbe Stunde vor Sendebeginn war das Areal schon sehr gut gefüllt, dennoch hatten wir Glück und ergatterten einen recht guten Platz, mit Essen und Trinken eingedeckt konnte es losgehen. Ein bisschen wie beim Oktoberfest, nur unwesentlich kleiner...

Mein größtes Handicap war die Unkenntnis der Regeln und so saß ich ahnunslos (komm ja passenderweise aus dem "Tal der Ahnungslosen" :D ) und beobachtete das Treiben. In der Fernsehausgabe spielen immer zwei Gemeinden gegeneinander, in unserem Fall Einsideln und Schwyz, der Gewinner ist dann Gastgeber der nächsten Runde, mit zwei neuen Gemeinden. Gespielt wird mit Skatkarten. Jeder Spieler gibt zu Beginn einer Runde an, Donnschtig Jasswieviele Punkte er machen will und wer am Ende der Runde am nähesten mit seinen Punkten an der Schätzung war, gewinnt. Wie ein Spieler die Punkte festlegt und wie die Punktevergabe pro Runde funktioniert, kei Ahnung!

Pünktlich zu Beginn der LIVE Übertragung fing es an zu regnen. Natürlich hatte ich am Morgen nicht dran gedacht, meine Regenjacke mitzunehmen, geschweige denn zu Feierabend bei Sonnenschein meine wasserdichte, mit Kapuze ausgestattete Arbeitsjacke anzuziehen. Nach ein paar Tropfen hörte der Regen glücklicherweise wieder auf, nur um wenig später dann in Eimern vom Himmel zu kommen. Schnell waren wir klitschnass und mussten nach einer halben Stunde den Heimweg antreten.

Für den Winter hab ich ja nun neben dem Skifahren eine neue Herausforderung: das Jass spielen lernen!

 

22.07.11 - A night to remember

Schon wieder Freitag. Die Zeit vergeht so verdammt schnell, das ich das Gefühl habe, Tage übersprungen zu haben.

Letzten Freitag habe ich ja schon über die autofreie Promenade und das Jazz-Fest berichtet. Heute abend wurde die Promenade abermals gesperrt, Speisen und Getränkebuden in windeseile aufgebaut, zumindest bei den meisten Beteiligten. An einem Stand konnten wir während zwei Bierrunden eine gefühlte Ewigkeit zuschauen, wie vier Erwachsene (darunter auch Männer) nicht in der Lage waren, ein Partyzelt aufzustellen. Ich weiß bis jetzt nicht ob dieses Zelt je gestanden hat, und wenn ja, wie lange.

Die Jazz Musik fehlte heut, nicht das ich darüber so traurig gewesen wär, aber ein bisschen Musik wär schon ganz nett gewesen. Die Veranstaltung bezweckt quasi das Motto, "Sehen und gesehen werden" und so wanderte ich mit drei Kollegen die Straße auf und ab, zum Aufwärmen gabs einen Glühwein! im Juli und anschließend gewann ich überraschenderweise beim Eisstockschießen ohne Eis.

Da es kalt und regnerisch war, entschieden wir uns dann, doch lieber in eine Bar zu gehen. Zudem hatte mir ein Bekannter zwei Karten für den Abendfilm im Davoser Open Air Kino (Filmnächte nur UNwesentlich kleiner) überlassen und so trennten wir uns dann, drei gingen was trinken und ich mit der Mutter einer Kollegin ins Kino. Es sollte "The Kings Speech" gezeigt werden. Einen überdachten Platz im trockenen, ein Sitzkissen und eine Decke hatten wir zumindest. Es wurde zunehmend dunkler und gespannt warteten wir auf den Filmstart. Und warteten. Und dann...kam die Werbung. Nach einer gefühlten Ewigkeit und zunehmender Kälte ging der Film endlich los. Doch nach nicht einmal zwei Minuten steikte die Technik. Entweder kein Bild oder die Synchronikation von Mickey Maus persönlich. Es folgte eine fast 45 minütige Wartepause bis es dann doch endlich losging. Je länger der Film lief, umso kälter wurde es, bis...eine Pause folgte. Noch nie war ich so froh über eine Filmunterbrechung, die wir dazu nutzen, um zu gehen. Die erste Hälfte des Films war auf jeden Fall sehenswert. Die zweite wäre es sicher auch gewesen.

Wir machten uns wieder auf den Weg zu den anderen, die immernoch in einer Bar saßen. Eine Bierrunde später beschlossen wir dann, die Bar zu wechseln. Wir hatten uns leider einen denkbar schlechten Zeitpunkt zum Gehen ausgesucht, denn gerade als wir die Bar verlassen hatten, begann vor der Tür eine Schlägerei und wir mittendrin. An der Stelle Entwarnung, uns ist nix passiert, Polizei und Krankenwagen waren recht schnell vor Ort und klärten die Situation. Ein wenig geschockt zogen wir in eine andere Bar, aber lange hielten wir uns dort nicht mehr auf. Der eigentlich schöne Abend endete so mit einem ziemlich unschönen Abschluss.

Nichtsdestotrotz geht es nächste Woche mit Feierlichkeiten weiter. Am Donnerstag steht das "Donnschtig-Jass" auf dem Programm, ein Kartenspiel was scheinbar nur die Schweizer kennen. Muss aber sehr beliebt sein, denn sogar das Schweizer Fernsehen wird live übertragen, na wenn das kein Grund ist, mal vorbeizuschauen. Am Freitag steigt dann endlich das vielbesagte Baulink Fest. Ich bin gespannt, was mich erwartet.

 

 

17.07.11 - (Non) Bella Italia!

Für heute hatte ich mir vorgenommen, mal wieder einen Abstecher ins naheliegende Italien zu machen, um in der zollfreien Zone um Livigno ein bisschen shoppen zu gehen. Im letzten Jahr bin ich schon mal nach Livigno gefahren, "kannte" also die Strecke schon ein wenig. Aber wie es so ist, es kommt immer anders, als man denkt. Fehler Nummer Eins: Verlass idhc nie auf dein Navi. Wenn man eins hat, benutzt man es in der Regel auch. Die ersten Kilometer fuhr ich noch erfolgreich ohne, da ich die Strecken inzwischen schon gut kenne und das Navi eh immer ein wenig Anlaufzeit braucht. Leichtsinnigerweise habe ich die Informationen, die zu Beginn kommen weitergeklickt ohne sie wahrzunehmen, was mir später zum Verhängnis werden sollte. So fuhr ich nun also dahin, durch die schöne Schweiz, bei nicht ganz so schönem Wetter über den ersten Pass (Flüela, 2382m), gestört durch ein paar Radfahrer, die zu langsam fahren (überholen ist auf den engen und kurvigen Bergstrassen mehr als schwierig) sowie ein paar Motorradfahrer, die zu schnell fahren. LivignoIrgendwann stellte ich fest, das mir die Landschaft doch recht unbekannt vorkam und bevor ich mich versah hieß es "rechts abbiegen" und schon stand ich vor einem Tunneleingang. Hier war ich definitiv noch nicht. Mit einer Ampel vor, einem Schild mit der Aufschrift "Inkasso am Tunnelausgang" neben mir und einer Reihe von Autos und Massen! an Motorrädern hinter mir, wurde mir bewusst, das ich wohl mautpflichtige Tunnel und Brücken zugelassen hatte. Super! Zurück ging es nicht mehr, musste ich also durch die ca. 4km enge Durchquerung, gespannt, wo ich wohl auf der anderen herauskommen werde. Auf der Streckje hatte ich genügend viel Zeit, mir Gedanken zu machen, was mich das "Vergnügen" wohl kosten würde. Die Antwort gabs auf der anderen Seite. Da fährt man nun also nach Italien um preiswert einkaufen zu gehen, nur um dann für einen Tunnel 12€ (15CHF) loszuwerden! Die restlichen Kilometer hatte ich dann noch genügend Zeit mich zu ärgern.

Das zollfreie Shopping

Ich war, wie schon beim letzten Besuch in Livigno, nicht die Einzige, die an einem Sonntag zum Shoppen wollte. Da der Ort nicht besonders groß ist, verteilen sich die Menschenmassen nicht besonders, geschweige denn, dass man einen Parkplatz in der näheren Umgebung finden würde. Mit einem Parkplatz, eine gefühlte Ewigkeit vom Zentrum entfernt und einsetzendem Regen wurde ich zunehmend genervter. Der erste Supermarkt den ich sah, nahm ich auch. Zunächst stand ich in einer Parfümerie, kurz irritiert, führte eine unscheinbare Treppe in den Keller in den Supermarkt.

Meine Einkaufsliste sah recht gewöhnlich aus. Neben Ost und Gemüse,Einkauf Brot und Brötchen wollte ich mich auch mit Wurst, Käse und Snacks eindecken. Die Wurst sah nicht wirklich frisch aus, der Käse sollte bis zum 30.05.11 verzehrt werden, weshalb ich ihn zurück in die Kühltruhe legte, Obst und Gemüse waren in nicht erwähnenswerter Anzahl vorhanden, optisch ca. ein Jahr alt, Backwaren waren erst gar nicht zu finden. So landete ich schnell in der letzten Reihe, wo sich die Spirituosen befanden. Meine Einkaufsliste las sich NACH dem Einkauf folgendermaßen: Eine Flasche Batida, eine Flasche Baileys, eine kleine Flasche Barcadi, ein paar Keckse und eine Packung echt Original italienische Nudeln und das alles für nur 15€.

Die Rückfahrt

Es fing schon kurz nach Livigno an, das Wetter wurde schlechter, je höher ich kam. Es regnete zunehmend aus den tiefhängenden Wolken. Ab 2300m war die Sichtweite auf unter 50m begrenzt. Den Ausblick zu genießen und ein paar Fotos zu schießen erübrigte sich heute leider. So fuhr ich weiter bis an die schweizerische Grenze. Im Normalfall kein Problem, man fährt einfach durch. Nicht so heute. Ein italienischer Polizist stand am Zoll und winkte die vor mir fahrenden Fahrzeuge vorbei. Sofort fiel mir mein Einkauf ein (ich hatte keine Ahnung wieviel Alkohol man mitnehmen darf) und schon sprach mich der Polizist an und fragte, wohin ich denn wolle und ob ich Spirituosen oder Tabakwaren dabei hätte. Schlagartig wurde mir heiß und ich bin mir sicher, meine Gesichtsfarbe hat sich von weiß auf rot gefärbt. Dennoch verneinte ich beides und erklärte, das ich nicht im Urlaub wäre, wie er vermutete, sondern in der Schweiz arbeite. Trotzdem bat mich der Polizist, mal den Wagen rechts ran zu fahren und ihm einen Blick zu gestatten. Das war's dann wohl dachte ich. Machte brav den Kofferraum auf. Zu meiner großen Überraschung, hatte sich die Sache damit auch erledigt, vielleicht lag es auch an dem unübersichtlichen Chaos in meinem Kofferraum (Stiefel und Helme vom Baustellenbesuch am Freitag) und nach einem kurzen Plausch durfte ich weiterfahren. Mir fiel ein Stein vom Herzen!

Die letzten km fuhr ich wieder nicht dort lang, wo ich langfahren wollte - Dank ans Navi - und machte so einen unnötigen Umweg. Beim nächsten Mal fahr ich besser ohne.

 

 

 

15.07.11 - Davos Sounds Good 2011

Unter diesem Motto ist seit einer Woche die Innenstadt eine einzige große Jazz-Party. Zum Wochenausklang habe auch ich mich mal unters Volk gemischt. Wie schon letzten Freitag, Bier auf Eiswar auch heute ab dem späten Nachmittag die Promenade (Davoser Hauptstraße) für die Autos gesperrt und wie aus dem Nichts, standen plötzlich Fressbuden, Kinderspiele oder Bühnen am Strassenrand. Gemeinsam mit zwei Kolleginnen ging es zum ersten Bier und wir saßen nicht lange, als wir schon die ersten Bekannten trafen, einen weiteren Kollegen samt Familie. Nach nem kurzen Plausch trennten sich unsere Wege dann wieder, inzwischen nur noch zu zweit gings auf Nahrungssuche die Strasse entlang. Erfreulicherweise gab es sogar einen Burgerstand, damit war das Abendsessen perfekt.

Nun ist die Promenade nicht allzu lang und so kamen wir schnell zum einen Ende der abgesperrten Zone und mussten wieder umdrehen, um in die andere Richtung zu laufen. Das es allerdings eine Weile dauern würde bis zum anderen Ende hätte ich nicht gedacht. Alle paar Minuten trafen wir Leute, die wir kennen und natürlich unterhält man sich dann doch mal kurz oder länger mit dem einen oder anderen. So dauerte es eine Weile, Karin Sand's Brass Bandbis wir an der anderen Seite ankamen, gestoppt von einer Menschenmasse, die uns plötzlich entgegenströmte. Es sollte eine Parade geben, und, aus Dixielandzeiten gewohnt, erwartete ich zwei, drei oder mehr Wagen mit Bands. Nicht so in Davos. Anstatt eines Wagens kamen acht, in die Jahre gekommene Herren samt Dame, die für Stimmung sorgten. Gut zu erkennen an den folgenden Menschenmassen. Ein wenig liefen auch wir mit, zumindest solange, bis wir auf die nächsten Bekannten trafen. So verging der Abend recht schnell. Wie oft wir nun insgesamt die Promenade rauf und runter sind, kann ich nicht sagen. Irgendwann wurde es dann leider doch recht kalt, 9° an einem Julitag bin ich auch weniger gewöhnt. Ein Glühwein wäre tatsächlich schöner gewesen als ein kaltes Bier.

Schön wars aber allemal!

 

09.07.11 - Ausflug in die Hauptstadt

Nein, ich war nicht auf Besuch in Deutschland, Bern statt Berlin stand letztes Wochenende auf dem Programm.


Der Ausflug war in vielfacher Hinsicht ein Besonderer für mich. Das Ganze war eines der gelegentlichen Büroevents meines Arbeitgebers, der Erste, an dem ich teilnehmen konnte. Gemeinsam mit unseren Kollegen aus dem Churer Büro, die ich bei dieser Gelegenheit auch erstmals kennenlernte, ging es am Freitagmorgen mit dem Zug nach Bern. Erster Programmpunkt war die Besichtigung unserer gerade neu eröffneten Zweigstelle im Herzen der Hauptstadt. Nach einem kurzen Brunch ging es dann ein paar Minuten durch die Innenstadt zu einem der Berner Wahrzeichen, dem Bärengraben. Dieser hat seinen Namen durch das Berner Wappentier, dem Bär. Der Legende nach beschloss der Stadtgründer, das Gebiet nach dem Tier zu benennen, welches er in den umliegenden Wäldern als erstes erschießen würde, offensichtlich einen Bären. Gut, dass es kein Eichhörnchen oder Murmeltier war, hätte sich wohl als Stadtname weniger geeignet.

BernBernAare


Am Bärengraben startete unsere Stadtführung. Aufgeteilt in zwei Gruppen ging es knapp anderthalb Stunden durch die schöne Berner Altstadt mit ihren vielen verwinkelten Gassen und versteckten Hinterhöfen. Die Innenstadt selbst liegt in einem Bogen der Aare und wird geprägt durch die historischen Gebäude.


Am späten Nachmittag machten wir uns dann auf den Weg Richtung Hotel in der Berner Westside. Dieses befindet sich in einem von Daniel Liebeskind (bekannter Architekt) geplanten Areal, zur Freude einiger Kollegen mit angrenzendem Einkaufzentrum, einem Multiplex, Schwimmbad und einem Altersheim. Wie auch immer dieses zum Rest passt.


Liebeskinds Architektursprache zieht sich bis ins kleinste Detail. Selbst in den Zimmern lassen sich die für ihn typischen Streifenelemente wiederfinden. In Manier einer Architektin wurden von meiner Zimmerkollegin als erstes die Details im Zimmer begutachtet, Pfusch bei der Fugenausbildung, Ausmessen der Raumhöhe usw. während ich es mir auf dem großen Bett bequem machte, um meine Füße ein wenig zu entspannen. Jedoch blieb nicht viel Zeit, denn schon knapp eine halbe Stunde später trafen wir uns alle wieder im Foyer, um gemeinsam zurück in die Innenstadt zu fahren, wo wir ein einem alten Bahndepot zu Abend essen wollten.
Das Essen ließ ein wenig auf sich warten und so genossen wir die letzten Sonnenstrahlen auf der Terrasse des angrenzenden Biergartens bei einem Apèro. Da kam doch glatt ein wenig Heimatgefühl für mich auf. Ein elegantes Dinner rundete das offizielle Programm des ersten Tages in Bern ab, bevor sich die meisten Kollegen dann ins Nachtleben stürzten. Es ist gar nicht so einfach mit ca. 20 Leuten an einem Samstagabend Platz in einer Location zu finden und so teilten wir uns auf, die einen folgten einem Einheimischen, die anderen verpassten den Anschluss und landeten (nach Erzählungen) dann in einer netten Cocktailbar. Für mich zwar etwas schade, ich geh ja bekanntlich auch ganz gern mal einen Cocktail trinken und damit sieht‘s in Davos schlecht bis miserabel aus. Nichtsdestotrotz war ich nun unterwegs mit ein paar anderen Kollegen, gefühlsmäßig ohne Orientierung wohin die Reise denn gehen sollte, und das ging nicht nur mir so. Eine Bahnhofsüber- und Unterquerung, ein Parkhaus und einen Lift später, standen wir vor einer Disco. Auch nicht schlecht, schließlich komm ich nicht mehr so oft zum Tanzen gehen. Die Nacht wurde recht lang und so ging erst gegen 4 Uhr morgens mit dem Taxi zurück zum Hotel.


Zentrum Paul KleeBereits um halb 8 hieß es schon wieder aufstehen. Dann ab zum Frühstück und nach einem kurzen Abstecher ins benachbarte Shoppingcenter wieder Richtung Innenstadt. Ein Besuch im Bundeshaus, äquivalent zumBerliner Reichstag, stand auf dem Programm. Bei einem Besuch in Bern auf jeden Fall einen Abstecher wert! Mittag gab es in einem,dem Berner Casino vorgelagerten Biergarten, bevor sich die meisten Kollegen dann wieder Richtung Heimat auf den Weg machten.Ich bin noch ein wenig in Bern geblieben und habe mir am Nachmittag das Zentrum Paul Klee angeschaut, ein von Renzo Piano 2005 erbautes, eindrucksvolles Gebäudes.


Da sich nun zunehmend die letzte Nacht rächte, beschloss ich, noch einmal nach Westside zu fahren, und mir das Shoppingcenter etwas genauer anzuschauen. Doch schon die Fahrt dahin gestaltete sich schwierig. Von der Innenstadt aus, nahm ich die mir inzwischen bekannte Tram, doch nach 2-3 Stationen fiel mir auf, das ich in die falsche Richtung fuhr. Zum Aussteigen hatte ich keine große Lust, also Westsidefuhr ich bis zum Ende und schließlich zurück durch Bern bis zur Westside. Mit dem Umweg hatte ich nun noch eine halbe Stunde, um mir das architektonisch eindrucksvolle Liebeskind Areal anzuschauen.Anschließend ging‘s ab zum Bahnhof. Den Samstagabend wollte ich das Züricher Nachtleben kennenlernen. Doch schon wieder stellten sich mir Koordinationsprobleme in den Weg. Da kein Zug nach Zürich ausgeschrieben war, aber einer nach Basel, setzte ich mich also in diesen und fuhr nicht schlecht, immerhin in die richtige Richtung, bis, ja bis mich die Schaffnerin fragte, warum ich denn im Zug nach Basel sitze, wenn ich doch nach Zürich wollte. Sie riet mir, in einem kleinen Städtchen namens Olten umzusteigen, um den direkten Weg nach Zürich zu nehmen. Leider wusste ich nicht, wie weit es bis Olten war, konnte also nicht schlafen, und das hatte ich nun dringend nötig. In Olten angekommen, fuhr der nächste Zug nach Zürich erst eine halbe Stunde später und so blieb ein wenig Zeit, um einen kurzen Blick auf die Stadt zu werfen, bevor es dann weiter Richtung Zürich ging.


So kam ich dann doch noch irgendwann abends in Zürich an. Nach einem leckeren Zürich bei NachtAbendessen und einem Cocktail machte ich mich mit Sebastian auf den Weg in die Stadt, doch aus dem Partygetümmel wurde ein Spaziergang an der Limmat und am Zürisee. Zu mehr war ich nach der Partynacht nicht mehr in der Lage. Bin eben auch nicht mehr die Jüngste^^


Am Sonntag ging es zurück nach Davos und damit endete ein schönes Wochenende, an dem ich neben einer neuen Stadt auch neue Kollegen kennengelernt habe. Nun freu ich mich doch schon direkt auf das nächste Highlight Ende Juli, dem Baulink Sommerfest :)


An dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön an unsere Geschäftsleitung, die diesen tollen Büroausflug ermöglicht hat!

 

 

21.05.11 – Strelapass


Den heutigen Tag werde ich noch eine Weile in Erinnerung behalten. Eine weitere Wanderung stand auf dem Programm. Eine Halbtagestour auf das Schiahorn (2709m) hatte ich mir vorgenommen. Zunächst ging es von der Talstation der Schatzalpbahn auf die Schatzalp und von dort aus dann zu Fuß weiter Richtung Strelapass (2352m). Der Aufstieg zog sich ewig lang und kaum hat man die Höhe vor Augen, klettert motiviert nach oben, nur um dann feststellen zu müssen, dass sich dahinter ein weiterer noch viel höherer Berg verbirgt. Oben, oder sagen wir mal „fast“ oben angekommen, musste ich leider erkennen, dass es bis zum Gipfel nicht reichen würde, da noch zu viel Schnee liegt, welcher das passieren unmöglich machte. So beschloss ich, den Panoramaweg entlang des Parsennbergs zu laufen, um auf der anderen Seite auf das Weissfluhjoch zu steigen.

Der Weg entpuppte sich als kleiner Pfad entlang eines steilen Abhangs, teilweise sogar über Geröll hinweg. Leider endete auch dieser Weg in unpassierbarem Gelände. Wieder nix mit der Gipfelbesteigung. Zurück zum Strelapass, ging es dann die letzte Möglichkeit Richtung Strelasee. Vorbei am Schiahorn, welches von der anderen Seite ein wenig schneefreier aussah, versuchte ich dann doch noch einmal den Aufstieg. Aber auch hier kam ich nicht allzu weit eh ich erneut von Schnee gestoppt wurde. So ging es nun doch zum Strelasee (2404m), über unwegsames Gelände, durch Schneefelder (bis zu 50cm tief, was nicht ersichtlich war, so dass Schuhe, Socken und Hose recht schnell nass waren), weiter begleitet von ein paar Murmeltieren.

MunggaSchiahorntourRegenbogen über Davos Dorf

Hätte ich nicht irgendwann einen Wegweiser mit dem Verweis auf den See gelesen, hätte ich die Pfütze vermutlich übersehen. Zu guter Letzt ging es weiter über Schneefelder zum höchsten gekennzeichneten Punkt meiner Tour, der, dem oder das Latschüelfurgga (2409m). Auf dem dortigen Wegweiser machte mich die Ausschilderung zum Chörbschhorn (2650m) neugierig und so folgte ich dem Weg, also Pfad über Schnee am Abhang entlang. Wie zu erwarten war, endete auch dieser Weg bald in einem unpassierbaren Schneefeld. Mit einem wunderschönen Regenbogen über Davos Dorf, während ich auf dem Berg in der Sonne saß, endete der Ausflug dann endgültig. Der rund dreistündige Abstieg nahm kaum ein Ende und zum Schluss wurde ich auch noch durch einen Regenschauer klatschnass. Naja, Schuhe, Socken und Hose waren ja eh schon durch. Nach gut 10 Stunden hatte ich dann mein Heim wieder erreicht, die Blasen an den Füßen werd ich wohl noch eine Weile behalten.


Neben der Bergtour war mein Wochenhighlight der Aufstieg auf einen unserer beiden Baustellenkräne. Der Ausblick ist lohnend und der Überblick über die Baustelle toll. Werde nun öfter dem Kranführer Nino mal einen Besuch in luftiger Höhe abstatten :)

 

 

14.05.11 – Seehorntour


Panorama Seehorn

Da ich mir ja vorgenommen habe, mehr Zeit in Davos zu verbringen und meine neue Wohngegend kennenzulernen, startete ich heute mit einem Kollegen die erste wirkliche Bergtour in die Schweizer Bergwelt. Ausgangspunkt war der Davoser See, in dem das Wasser in jedem Winter abgelassen wird und bis Mitte Juni wieder aufgefüllt wird. Highlight des 2 Stündigen Aufstiegs war die Begegnung mit ein paar Murmeltieren, die überall durch die Berge springen. So ein knuffiges Tier hätt ich ja auch gern als Haustier :D

Das Seehorn hat eine Höhe von 2238m, auf der einen Seite geht es nur auf den letzten Metern richtig steil bergauf. Da sind Kletterkünste gefragt. Oben angekommen, konnte ich meinen ersten Eintrag in ein Schweizer Gipfelbuch verbuchen.

SeehornMunggasBlick vom Seehorn

Der Abstieg auf der anderen Seite ist schon anspruchsvoller, zumindest wenn man mit einem Einheimischen Kenner unterwegs ist. Dort ging es für uns den Bergsteigerpfad hinunter, entlang der steilen Felskanten den Abhang hinunter. Nach insgesamt 4 Stunden hatten wir das Auto wieder erreicht.

 

 

08.05.11 – Zürich


Heute ging es für meine Mutter wieder zurück nach Deutschland, mit dem Nachtzug von Zürich nach Dresden. Klar, dass wir den Tag noch für einen Sightseeing Trip in die größte Stadt der Schweiz nutzten. Habe mir ein Halbtax-Abo für die Schweiz zugelegt (äquivalent zur Bahncard 50 aber wesentlich preiswerter), so wird das Reisen in der Schweiz gleich um einiges angenehmer.

Das Wetter in Zürich war frühlingshaft, sonnig und angenehm warm. Die Innenstadt war recht leer, dafür die Wiesen am Zürisee menschenüberfüllt. Auf dem Zürisee unzählige Boote. Zu guter Letzt wollten wir noch etwas nach oben um einen Blick auf die Stadt zu haben.

ZürichKirche in ZürichZürisee

Die Freude, über den schönen Platz in der Bergbahn währte allerdings nur so lange, bis einer der Fahrgäste den Notrufknopf drückte, da die Bahn bei geschlossenen Türen 15min keine Anstalten machte, sich in Bewegung zu setzen oder die Türen wieder zu Öffnen. Ein Fahrer gehörte nicht zur Ausstattung. Nachdem wir dann ein Teilstück zu Fuß gelaufen waren, riskierten wir dann nochmal den Zustieg in die inzwischen wieder fahrende Bahn. Alles ging gut und wir konnten dann die wenig spektakuläre Aussicht doch noch genießen. Abends hieß es dann Abschied nehmen, und während meine Mutter Richtung Deutschland fuhr, ging es für mich zurück, Richtung Davos.

 

 

07.05.11 – Flüelapass


Zurzeit ist Zwischensaison, die Wintersportler sind weg, die Bergbahnen stehen wegen Revisionen still und die meisten Pässe sind schneebedingt noch gesperrt. Nur der Bauboom bringt nach dem Ende der Straße zum FlüelapassWintersperre (Ostern) wieder Leben in die Stadt. Um so der stressigen Arbeitswoche zu entkommen, suche ich am Wochenende, wenn ich es denn mal in Davos verbringe, die Abwechslung.

Wenn ich nun schon in den Schweizer Alpen wohne, möchte ich natürlich auch auf die Gipfel rauf. Allen voran der Flüelapass hat es mir angetan. Der Pass ist nach wie vor noch für den Fahrzeugverkehr gesperrt, da auf dem Gipfel durch den noch vielen Schnee Lawinengefahr besteht. Nichts desto trotz ist er – auf eigene Gefahr – zu Fuß oder mit dem Rad zu erklimmen. Zusammen mit meiner Ma ging es los, mit der Absicht, soweit ran zufahren wie möglich und dort einen kleinen Spaziergang zu machen. Ausgestattet mit ein paar Keksen und „das Wasser lassen wir im Auto, wir laufen ja nicht weit“ machten wir uns auf den Weg, die Straße zum Pass hinauf.

Schneehöhe am FlüelapassFlüelapassPasshöhe

Dreieinhalb Stunden später waren wir nach Erreichen des höchsten Punktes, der Passhöhe auf 2383m wieder unten. Was hat mir dieser Trip also gebracht? Eine tolle Aussicht, einen extremen Sonnenbrand im „Eulenlook“ (den Spot der Kollegen musste ich ein paar Tage über mich ergehen lassen), als Getränk abgelagerter Schnee…und ein paar Erfahrungen reicher.

 

 

10.04.11 – Bella Italia: Milano


Dieses Wochenende stand im Zeichen eines Trips nach Mailand. Spontan Freitagabend ein Hotel gebucht und los ging‘s am Samstag früh, zusammen mit einem Freund aus Zürich. Mailand liegt nur 2h 57min mit dem Auto von Davos entfernt. Durch ein herrliches Panorama ging es für mich diesmal zur anderen Seite von Davos aus den Berg runter, durch Lenzerheide (wo das diesjährige Finale der Ski Alpinen ausgetragen wurde) nach Chur. Von dort aus ging es dann gemeinsam auf die Reise durch das Tessin, Lugano, vorbei am Comer See nach Mailand.Tram in Mailand Vom italienischen Verkehr gibt es ja nicht viel Gutes zu berichten und so wurde ich auch schon frühzeitig mit dem Chaos konfrontiert. Scheinbar ohne jegliche Verkehrsregeln, ob Autobahn oder Stadt schafften wir es halbwegs unbeschadet bis zum Hotel. Und das trotz eines Navis, welches der italienischen Sprache nicht mächtig war und die Straßen dermaßen falsch aussprach, dass es schon fast ein Wunder war, das Ziel zu finden. Nächstes Problem: Parkplatz, oder besser gesagt, das Fehlen eines solchen. Und wer die Italiener kennt, weiß auch wie diese Einparken. Später wurden wir noch Zeugen eines solchen Vorgangs, zum Glück stand mein Auto weit genug weg. Mit einer Straßenbahn aus dem 19. Jhd. oder älter zuckelten wir also gleich nach dem kurzen Check In in die Stadt.


Das Wetter hätte kaum besser sein können, sommerliche 33° bei strahlendem Sonnenschein. So war unser erster Stopp auch der an einer Gelateria, an dem sich bereits eine ordentliche Schlange gebildet hatte, was ja bekanntlich ein gutes Zeichen ist. Dank der extremen Sonne landete die große Kugel aber mehr auf Hand und Boden, als im Magen. Dennoch: italienisches Eis ist einfach Lecker!

Mailänder DomSebastian und IchMailand von oben

Im Anschluss folgte die übliche Sightseeing-Tour durch die Innenstadt. Mailänder Dom (bevölkert von duzenden  Senegalesischen Armbandverkäufern), Mailänder Scala und die berühmte Galleria. Auf der Suche nach einem Abercrombie & Fitch Laden (von welchem uns unzählige Tüten entgegen kamen), kamen wir an einem großen Gebäude vorbei, an dessen Eingang eine Schlange von gut 50m stand. Im Glauben, eine bekannte Ausstellung oder ähnliches vor Augen zu haben, gingen wir Richtung Eingang, und, unglaublich aber wahr, es war der A&F Store an dem die Leute anstanden. Wir ersparten uns dieses Vergnügen jedoch und zogen weiter.


Zum Abend stand noch ein Besuch des Mailänder Fußball Stadions „San Siro“ auf dem Programm. Nach unendlich langem Suchen haben wir es dann auch noch gefunden. Das Stadion gleicht eher einer Festung und da Inter Mailand gerade spielte, wurde es nichts mit einem Blick reinwerfen.  Nach dem Besuch eines italienischen Schnellrestaurants war der Tag auch schon wieder vorbei.


Geschuldet des Spontanen Aufbruchs nach Mailand, waren wir am nächsten Morgen ziemlich überrascht, als die große Straße vor unserem Hotel gesperrt war. Es war Tag des Mailand City Marathons! Dennoch hieß es erneut, ab in die Innenstadt. Diesmal stand die Besteigung des Doms auf dem Programm. Die Stadt war voll mit Menschen, hatte aber auch den Vorteil, dass einige Geschäfte offen hatten und wir es doch noch in den A&F Store geschafft haben (trotz Schlange, die aber in 5min genommen war).
In der Mailänder Galleria wurde grad ein Werbespot für einen neuen Armani Clip gedreht. Machte eher den Eindruck einer schnulzigen Liebesszene für eine italienische Telenovela. Bin auf das Ergebnis gespannt. Nach einem Besuch in einem unscheinbaren Kaufhaus, in dem sich Hugo Boss, Giorgio Armani, Cartier, Prada, Louis Vitton und Co. angesiedelt hatten machten wir uns dann so langsam wieder auf den Heimweg. Damit fand ein sehr schönes Wochenende seinen Abschluss.

 

 

02.04.11 – Willkommen Sommer!


Premiere im Blogschreiben: Sitze auf meiner Terrasse und genieße die Sonne bei fast sommerlichen Temperaturen. Einen Punkt Abzug allerdings für die nach Kühen riechende Landluft. Damit werde ich wohl in Zukunft leben müssen…


…inzwischen ist es Abend und die Sonne ist untergegangen. Habe den Nachmittag genutzt, um einen Spaziergang zu machen, schweizerdeutsch im Hochgebirge: eine Wanderung. Da sich der Schnee hier nun wirklich dem Ende zuneigt, wollte ich endlich ein wenig höher auf die Gipfel.

sonnenuntergang3bergpanorama4bergpanorama

In kurzen Hosen und T-Shirt machte ich mich auf den Weg. Es dauerte nicht lange und ich tauschte Sonne und Hitze mit Schatten und Schnee. Der Weg wurde zunehmend eisiger und ich bereute schnell, dass ich in Turnschuhen losgelaufen war. Die Sneakers waren nach ein paar Malen einsinken in 20-30cm tiefen Schnee durchgeweicht, doch die Socken auszuziehen war keine gute Lösung. Nun wurden meine Füße im tiefen Schnee schockgefroren.

bergpanorama3sonnenuntergang


Ich erkannte schnell, welchen Vorteil die sächsische Schweiz hat: die Baumgrenze ist wesentlich niedriger und der Aufstieg entsprechend kürzer. Aber ich hatte mein Ziel vor Augen und wanderte tapfer weiter. Schlussendlich hab ich es auch hier bis zur Baumgrenze geschafft, doch als der Weg in einem Flussbett endete, hielt ich es für angebracht, den Rückweg anzutreten. Die Sonne verschwand  nun auch langsam hinter den Bergen. Das herrliche Bergpanorama entschädigt für jegliche Anstrengungen.

Heute kann ich nun doch wieder mit Recht behaupten: Ich wohne da, wo andere Urlaub machen :)

sonnenuntergang2

 

01.04.11 – April, April HCD


Gestern war der Auftakt zu den finalen (möglichen) sieben Spielen der Eishockey Play-Offs. Im Gegensatz zu den Eishockey begeisterten Schweizern ist diese Sportart für mich das absolute Neuland. Da ich mich aber schon, zumindest für diesen Winter (der auch hier oben inzwischen schon fast in Sommer übergegangen ist) um den aktiven Alpinsport herumgedrückt habe, muss ich mich doch wenigstens mal der Nationalsportart widmen.


Nun stehen sich der HC Davos und die Kloten Flyers im Finale gegenüber, was natürlich die Herzen vieler meiner Kollegen höher schlagen lässt. So stand es außer Frage, das erste Finalspiel zu verpassen und da ich mich eben anpassen muss, hab ich mir auch eine Karte bestellt.


Da Sport ja bekanntlich verbindet, wurde der Abend mit sieben Kollegen zum halben Betriebsausflug. Für 18.00 Uhr wurde ein Tisch im Restaurant bestellt. Dieses wies eine Kochmütze auf, was in Deutschland wohl ungefähr dem Sterneprinzip entspricht. Da sollte es nicht verwundern, wenn die Pizza oder eine Portion Spaghetti CHF 30 kosten (tut aber immer noch ein bisschen weh).


Gut gestärkt ging es dann zum Stadion. Ausgerechnet an diesem Abend regnete es in Strömen und so kamen wir nach knapp 10 Minuten Fußmarsch puddelnaß an der Arena an. Wir waren schon relativ spät dran und so war die Halle, die 7000 Zuschauer fasst, schon gut gefüllt. Die Einlasskontrollen standen Personenkontrollen am Flughafen in fast nix nach. Es fehlten lediglich die piependen Tore, was mir in diesem Fall eine Menge Zeit ersparte. Eine Viertelstunde vor Anpfiff hatten wir dann einen Stehplatz für alle acht Mann und Frau gefunden, wie wir schnell feststellten mitten im Weg. Aber so ist es ja immer.


Dann ging es endlich los. Keine Ahnung von den Regeln ließ ich mich also von dem Geschehen überraschen. Nur so viel: Gespielt wird 3x20 Minuten, mit 15 Minuten Unterbrechungen. Davos führte nach dem ersten Drittel 2:0. Die erste Phase verlief noch relativ langsam, so dass ich einigermaßen das Geschehen überblicken konnte, aber schon im zweiten Drittel wurde es zunehmend schneller und aggressiver. Meine Verwirrung wurde größer. Stand nach zwei Dritteln: 2:2. Im letzten Drittel war ich schon glücklich, wenn ich den Puck alle paar Minuten mal erahnen konnte. Endstand nach 60 Minuten: 5:2 für Davos. Die Stimmung im Stadion war grandios, Gänsehautmomente. Fazit: Wird sicher nicht das erste und letzte Spiel gewesen sein, was ich mir live anschaue. Dienstag gibt’s die nächste Möglichkeit.

hockey3hockeyhockey2


Der Sieg musste natürlich gefeiert werden und so ging es nach dem Spiel noch in eine Bar. Da die Arbeit aber auch am Freitag bei Zeiten nach mir rief, war nach einem Getränk dann auch Schluss für mich. Insgesamt ein teurer aber sehr lohnenswerter Abend.


Auf den 31. März folgt im Kalender der 1. April. Auch in der Schweiz der Tag der guten und schlechten Scherze. Ich musste feststellen, dass es schwierig ist, an diesem Tag arbeiten zu müssen. Der Natur der Aprilscherze entsprechend, wusste ich bei keiner Mail, ob diese ernstgemeint war oder nicht. Was natürlich ein einem Beruf wie meinem zu schwerwiegenden Folgen führen könnte. Man weiß ja nie… Eine dieser gewissen Emails besagte, dass die Geschäftsleitung kurzfristig beschlossen hat, am kommenden Montag einen neuen Server einzurichten, was zur Folge hat, das am Montag nicht am Computer gearbeitet werden könne. Wäre ich nicht bei der Entstehung dieser Idee in der Frühstückspause dabei gewesen, ich hätte es glatt geglaubt und wäre vermutlich am Montag zu Hause geblieben. Zu einem freien Tag würde ich schließlich nicht NEIN sagen. Bei den Kollegen, die an der Frühstückspause aus diversen Gründen nicht teilnehmen konnten, löste diese Mail tatsächlich kurzzeitig Panik aus. Ziel erreicht. :D Wurde natürlich noch im Tagesverlauf aufgeklärt und am Ende konnten alle drüber lachen.

 

 

25.03.11 - Bauleitertagung

Heute war ein besonderer Tag im Leben eines Bauleiters. Heute früh hieß es nicht, ab ins Büro und den ganzen Tag schaffen, sondern ab nach Davos-Monstein ins Restaurant Ducan zur Bauleitertagung. Diese, wie ich heute feststellen durfte, sehr schöne Art der Weiterbildung, findet vierteljährig statt und hilft Bau- und Projektleitern, sowie der Geschäftsleitung bei der Optimierung der verschiedenen Arbeitsabläufe sowie des Auf- und Ausbaus des Wissens.

Da ich Monstein selbst noch nicht kannte, aber schon sehr viel Gutes gehört hatte, ließ ich mich also positiv überraschen. Die Fahrt ging eine schmale Bergstraße hinauf, wäre ich die Strecke allein gefahren, Kirche in Monsteinhätte ich wohl spätestens nach der Hälfte wieder umgedreht, weil ich das Gefühl bekommen hätte, falsch in die Einöde zu fahren. Aber ich fuhr ja nicht allein. Da ich nicht fahren musste, hatte ich Zeit um die mit jedem Meter beeindruckendere Aussicht zu genießen und zu staunen, wie steil es teilweise entlang der Straße bergab ging. Nach 10 Minuten erreichten wir einen kleinen Ort, mit ein paar Häusern - Monstein. Stolze Einwohnerzahl: 180.

Bei strahlendem Sonnenschein, weitreichendem Blick, schneebedeckten Berggipfel machte sich bei mir sehr schnell Urlaubsstimmung breit. Da wo andere Urlaub machen, darf ich arbeiten. Herrlich. Wir warteten noch eine Weile auf die Kollegen aus Chur, die einen weit längeren Anreiseweg hatten als die Davoser Kollegen, für die einen Zeit zum Rauchen und Quatschen, für mich Zeit zum Fotografieren. Einer musste ja den Touri "spielen".Restaurant Ducan

Mit ein wenig Verspätung ging der erste Teil des Programms über die Bühne. Fachvorträge zu Sicherheitsvorschriften auf dem Bau, Kalkulation etc. Alles auf Schwiitzerdütsch, versteht sich. So gaaaaanz langsam macht mein Verstehen auch Fortschritte. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer Schritt für mich :D

Pünktlich um 12.00 gab es Mittag. Ein leckeres Menü bestehend aus Vorspeise und Hauptgang. Was genau ich da gegessen hab, weiß ich nicht, es war jedenfalls etwas Fleischiges. Nebenbei gab es eine neue Lektion des Schweizer Kulturgutes. Ich lernte Gian und Gianchio kennen, zwei Steinböcke die für den Kanton Graubünden lustige Werbung machen.

Brauerei MonsteinGut gesättigt ging es am Nachmittag weiter mit dem zweiten Teil der Vorträge. Pünktlich kurz nach vier war Feierabend und nun zog der ganze Trupp wieder einen Stock höher, um den Tag mit einem echt Original Monsteiner Bier zu beenden. Nachdem sich nach und nach diverse Kollegen verabschiedet hatten, traten nach mehr als zwei Stunden nun auch die letzten den Heimweg an. Inzwischen war auch die Sonne schon am Abendhimmel verschwunden. Mein Fazit des Tages: so eine Bauleitertagung könnte ruhig öfter stattfinden!

 

22.03.11 - Einmal Meer und zurück

Ein ereignisreiches Wochenende liegt hinter mir. Am Freitag, meinem ersten Urlaubstag, ging's von Davos nach Zürich, mit dem Flieger nach Hamburg und nach ein bisschen Sightseeing weiter nach Nordstrand, einer kleinen Insel in der Nordsee (Höhe Husum). Meine Tante hatte geladen, zur großen Geburtstagsfeier. Früh bei Schneefall in 1.560m Höhe losgefahren und abends auf trockenen aber windigen 0m angekommen. Eine Erfahrung, die man nicht jeden Tag macht! Am Sonntag ging es dann in umgekehrter Reihenfolge zurück.

HafencityElbphilharmonieSunset

Telefonieren:

Und da wären wir auch schon wieder, zurück in der Schweiz. Habe ich doch letzte Woche gelesen, das die Schweizer, höflich wie sie sind, beim Telefonieren eine kleine Pause einlegen, sobald sie sich gemeldet haben, um dem anderen die Chance zu geben, zurück zu grüßen. Nicht so die Deutschen. Unsereins ruft an, rasselt seinen Text runter und wartet dann auf eine Antwort. Nun ist mir auch schon aufgefallen, dass mir die Schweizer immer ins Wort fallen, um mich zu begrüßen und jetzt weiß ich ja auch warum. Um mich anzupassen, wollte ich die neue "Regel" natürlich beachten. Gespräch Nummer eins: "Grüezi, hier ist die Frau Hanert vom Büro Hoffmann. *Pause* ...." Schweigen am anderen Ende der Leitung. Peinliche Stille, also weiter mit dem Anliegen. Gut Versuch Nummer Eins ging daneben. Versuch Nummer zwei: "Grüezi, Hanert hier, Büro Hoffmann aus Davos. *Pause* ..." Peinliche Stille ...Dann eben nicht! Gespräch Nummer drei verlief dann, wie sollte es auch anders sein ... "Grüezi, Hanert, Büro Hoffmann. Ich ru... *Grüezi wohl Frau Hanert* ...fe an wegen ... ." Wie mans macht...

Nach fast 10 Wochen des Wartens, habe ich nun auch endlich mein Bürohandy (Schweizer-deutsch: Natel) bekommen. Ein Hightech Handy von der Apfel-Konkurrenz, das mich bisher mit seiner Funtkionsweise maßlos überfordet. Angeblich kann man damit sogar telefonieren. Werd hoffentlich noch rausfinden WIE.

Schweizer Taschenmesser:

Es ist ja bekannt, das die Schweizer das Taschenmesser erfunden haben und mit Recht auch Stolz darauf sind.Milka Werbung Es scheint tatsächlich so zu sein, das der Schweizer im Allgemeinen ein solches in seiner Tasche hat, um auf jegliche Situation vorbeireitet zu sein. Letzte Woche konnte ich die Nützlichkeit dieses Gegenstandes gleich zweifach bestaunen. Während der Besichtung eines Flecks, der als Mangel gemeldet wurde, zog mein Kollege ein Taschenmesser aus der Tasche, kratzte an der Wand und schwupp war der Fleck verschwunden. Ein anderer Handwerker zog statt eines Schraubenziehers ein TM aus der Hose und baute den Küchenschrank ab und wieder auf. Nun warte ich noch drauf, das der Maler mit einem TM die Decke streicht :D Zugegeben, nicht besonders spektakulär, aber klischee erfüllend.

 

13.03.11 - Geschafft!

Seit Freitag ist meine Probezeit nun schon vorzeitig beendet worden und ich darf mich endgültig den wichtigen Aufgaben meines neuen Jobs widmen: der Urlaubsplanung. :D Naja fast, geht natürlich weiter mit der Vorbereitung des immernäher rückenden Baustarts des neuen Hilton Hotels samt nebenliegendem Geschäftsgebäude.

 

02.03.11 - IKEA, Reisen und Arbeitsalltag

Nun muss ich doch mal den vielen Beschwerden nachgeben und einen Umriss meiner aktuellen Tätigkeiten zu elektronischem Papier bringen.

Der Grund für meine inzwischen wochenlange Schweigephase liegt nicht etwa in der Unlust des Schreibens sondern ist schlicht und ergreifend der Tatsache geschuldet, das ich in der Woche inzwischen schon merklich längere Arbeitstage habe und an den Wochenenden konsequent die nähere und fernere Umgebung unsicher mache.

Die letzten Wochen sind recht schnell vergangen. Inzwischen bin ich in Arbeitswoche sieben angelangt. Im Büro habe ich mich gut eingelebt. Auch an die Preise beim Mittagessen habe ich mich inzwischen gewöhnt.

Ich habe mich lange mit Ausschreibungen von Arbeitsaufträgen herum geschlagen, nebenbei betreue ich nun in alleiniger Verantwortung ein bereits gebautes Objekt in der Mängelbehebung, Käuferbetreuung (Haus mit Eigentumswohnungen) etc. Nächste Woche werde ich mit meinem Bauleiter zusammen in einem weiteren Gebäude die Behebung der Mängelarbeiten überwachen. Ab Anfang April geht’s dann endlich mit der eigentlichen Baustelle los.

Meine Arbeit in der Praxis – Teil 1

Eine gelungene Abwechslung zum Büroalltag sind die Außentermine. Die meisten davon sind recht unspektakulär aber einige bleiben mir doch sicher eine Weile in Erinnerung. Dazu eine kleine Anekdote: Es ging um eine knackende Kühlschranktür. Zweimal war ich schon mit Handwerkern von zwei unterschiedlichen Firmen vor Ort, bisher ohne Ergebnis (sind ja immer die anderen Schuld :D). Daraufhin nun also ein gemeinsames Treffen. Die ersten 10 Minuten verbrachten drei Männer die Zeit damit, die Kühlschranktür auf und zu zumachen, dabei lagen zwei horchend auf dem Boden und der dritte bewegte die Tür. Ein wirklich lustiges Bild! Da sie immer noch keine Störungsquelle ausfindig machen konnten, fingen sie also an, den Kühlschrank auseinanderzunehmen. Und tatsächlich, sie fanden die Ursache, Fabrikationsfehler in den Scharnieren. Ersatzteile lagen im Wagen, der erste Handwerker ging nach draußen (zum Auto), kam zurück, Schlüssel vergessen, er ging wieder, kam nach langer Zeit zurück (die restlichen zwei drehten in der Zwischenzeit Däumchen oder begutachteten die in der Wohnung befindlichen Familienfotos und andere teils fragwürdige Gegenstände), hatte die Scharniere nicht gefunden, Handwerker zwei ging zum Auto, kam mit zwei Scharnieren wieder, leider zweimal das gleiche, ging wieder zum Auto, kam zurück, hatte sein Werkzeug vergessen…um die Geschichte hier nun abzukürzen, letztendlich konnte die Tür wieder montiert werden, knackte beim anschließenden Test auch nicht mehr. Auftrag erledigt. Anschließend musste ich noch eine Kleinigkeit in einer anderen Wohnung erledigen, und bekam vom Mieter gleich noch eine weitere „Beschwerde“ mit auf den Weg: eine knackende Kühlschranktür…

Meine Arbeit in der Praxis – Teil 2

Diese Woche ist mein Bauleiter in Urlaub und so bin ich Chef in einem Objekt, indem wir die kurz vor Ende der 2-Jährigen Garantiefrist ablaufenden Mängel beheben lassen müssen. So bin ich nun seit Montag dabei, in einem 3-stöckigen Gebäude (+ 2 Untergeschosse), drei Treppenhäusern, Trepp auf, trepp ab zu laufen (die Maler sind gerade mit dem Streichen der Aufzüge beschäftigt, die sie zum Großteil dadurch lahmlegen) mit diversen Handwerkern von A nach D, nach C und nach B zu laufen. Ein wenig kommt es mir vor als ob ich den Passierschein A38 besorgen müsste (Asterix). Es klingt vielleicht anstrengend macht aber riesig Spass. Ich glaube, so langsam bin ich im Arbeitsleben angekommen! Es ist toll, endlich ein bisschen mehr Verantwortung zu haben und zumindest den Eindruck zu machen als ob man wichtig wär :D

Meine Arbeit in der Praxis - Teil 3

Heute war Umzugstag für L. Weigl. Er ist Schwede und wie es sich für einen solchen gehört, kam heute Morgen eine Ladung IKEA Möbel für seine neue Wohnung. Da er selbst erst am Abend nach Davos kommen sollte, war ich mit der Annahme der Lieferung beauftragt worden. Alles gut. Dann kam Lieferung Nummer Zwei. Auch aus Schweden aber kein IKEA. Der Transport kam, lud die Möbel in der Tiefgarage ab – und fuhr wieder davon. Da stand ich nun, noch völlig überrumpelt mit zwei Paletten voller fremder Möbel, für die ich nun verantwortlich war. Aus lauter Verzweiflung rief ich einen Kollegen an, ob er mir nicht sagen könnte, wen ich zum Möbelschleppen anbeordern könnte. Er sagte mir einen Namen und wünschte mir einen schönen Tag. Toll. Eine Nummer hatte ich natürlich nicht. Im Büro rief ich vergebens an, es war grad Mittagspause und der Rest beim Essen. Darauf musste ich zu allem Übel auch noch verzichten. Es blieb mir nichts anderes übrig, als ins Büro zu fahren und mir die Nummer selbst zu besorgen. Die Möbel konnten immerhin nicht davonlaufen. Als ich die Firma angerufen habe, mein Problem erst auf Italienisch, dann auf Englisch geschildert hatte, bis sich herausstellte, das die italienische Frau sogar hochdeutsch konnte, musste ich leider erfahren, das sie sowieso nicht zuständig war. Am Ende des Tages haben es die Möbel dann doch noch an ihren Bestimmungsort geschafft. Morgen früh werde ich mir dann mal das Ergebnis anschauen gehen und den freundlichen Herrn Weigl persönlich begrüßen! Dieser hatte mich am Nachmittag noch angerufen, aus dem IKEA in Zürich LOL

Beeindruckend finde ich nach wie vor den Wohnstandard, den Davos an den Tag legt. Die meisten Wohnungen sind bewohnt, werden aber oft nur als Zweit- bzw. Ferienwohnsitz genutzt. So muss ich oft bei der Behebung der Reparaturen dabei bleiben und während die Handwerker arbeiten, habe ich Zeit meinen Blick ein wenig schweifen zu lassen. Komm aus dem Staunen oft gar nicht heraus. Eine Wohnung schicker als die andere, eine raffinierter als die andere.

Manche Menschen sammeln aber auch komischen Kitsch :D In vielen Wohnungen stehen Elche in sämtlichen Formen, Farben und Abstraktionen herum, selten auch nur Teile des Tieres. Ob das eine regionale Bedeutung hat, konnte ich bisher noch nicht rausfinden. Die Woche verspricht auf jeden Fall noch aufregend zu werden. Heute kam ja eine Ladung Möbel einer Familie aus Schweden. Vielleicht liegt ja auch darin der Elch begraben :D

Inzwischen beginnen meine Arbeitstage um 7.30 und enden kaum vor 18.30. Aber an Tagen wie heute merkt man die Zeit gar nicht, nur die Abende werden in der Woche immer kürzer.

st.moritzschiefer turmst.moritz

Die Wochenenden verbringe ich nach wie vor mit Reisen, mal mehr, mal weniger weit weg. Nach einem Besuch in Klosters, dem schönen, idyllischen Nachbarort von Davos, habe ich St. Moritz unsicher gemacht. Schon allein die Zugfahrt war die Reise wert. Die schmalen Gleise führen eng am Berg entlang, direkt am Abgrund, auf der anderen Talseite die riesigen Felsmassive. Die Stadt selbst zeigte sich in strahlendem Sonnenschein. Zum Glück war Sonntag und die Läden hatten zu. Sonst hätte ich sicher ein Vermögen dort verloren :D Naja, nicht wirklich…

Allerdings hätte ich mich dringend neu einkleiden müssen, um nicht ganz so aufzufallen mit meiner Skijacke, zwischen all den Pelzmänteln, Pelzmützen und Pelzstiefeln.

Das darauffolgende Wochenende bin ich im schweizer Ausland gewesen - in Deutschland :D War ein paar Freunde in München besuchen. Und ich muss sagen, es hat wirklich walenseegut getan, mal wieder deutsch zu sprechen und sich nicht anstrengen zu müssen, dass man mit ein bisschen Glück den Inhalt des Gespräches erraten kann. War allerdings leicht überfordert von den samstäglichen Menschenmassen in deutschen Großstädten LOL

Auf München folgte Zürich. Tolle Autobahnstrecke (hätt ich mir mal von Dresden – Cottbus gewünscht), sehr schöne Stadt, gefährlich für Spaziergänger aber dennoch für einen Besuch immer zu empfehlen.

Das vergangene Wochenende war ich nun relativ spontan für 1.5 Tage im schönen Dresden. Das bisschen Heimat tat richtig gut und muss nun bis Ostern reichen. Zudem konnte ich meine Wohnung ein wenig wohnlicher gestalten, mit allem, was ich Anfang Januar mehr oder weniger vergessen hatte, mitzunehmen.

züriseeTja und was soll ich sagen, nächstes Wochenende werde ich wohl nicht in Davos verbringen :D Wird wohl nochmal Zürich werden nachdem ich noch nicht allzu viel von der Stadt gesehen habe.

Mit den vielen Reisetipps von Kollegen weiß ich gar nicht, wann ich die alle in den kurzen Wochenenden unterbringen soll. Werde mir auf jeden Fall noch eine „Bahncard“ für die Schweiz besorgen (im Gegensatz zu Deutschland fahren die Züge hier zuverlässig und pünktlich) und damit die Restschweiz unsicher machen. Neben den Abstechern ins Schweizer Ausland versteht sich ;)

Ach ja, der Wetterbericht für die Skifahrer unter Euch: Erstaunlicherweise schmilzt der Schnee hier mehr und mehr dahin. Die Temperaturen sind inzwischen auch schon im mittleren einstelligen Bereich angekommen und die Sonne „brennt“ Tag für Tag. Aber mir wird von allen Seiten versichert, dass es nochmal eine Woche ordentlich durchschneien wird. Hat ja angeblich noch 2 Monate Zeit der Winter hier oben, aber wenn ich mir das draußen so anschaue, tippe ich eher auf zeitigen Frühling.

Das waren nun meine letzten Wochen in Länge. Die Schreibintervalle werden vermutlich nicht kleiner aber ich versuche mal ein paar kurze Zwischenupdates zu geben.

 

27.01.11 - Inside WEF

Nun ist es also da: das WEF. Gestern Morgen wurde ich zunächst von 25cm Neuschnee überrascht. In Dresden wäre das eine Katastrophe für Bus, Bahn und Auto. In Davos…nicht. Bis auf ein in den Straßengraben gefahrenes Auto auf meinem Arbeitsweg und dem damit verbundenen kurzzeitigen Stau für den Bus sind mir keine außergewöhnlichen Vorkommnisse aufgefallen. Ich konnte dem ganzen sogar etwas Positives abgewinnen, denn der Schnee (und die eisige Kälte) ließen Davos und Umgebung in eine herrliche Winterlandschaft verwandeln. Da ich aber noch im Halbdunkeln früh zur Arbeit muss, konnte ich mich nicht lange daran erfreuen.

Noch vor ein paar Wochen habe ich gesagt, da wo andere Urlaub machen, wirst du leben. Inzwischen hat mich die Realität eingeholt und ich denke mir nur noch: da wo andere früh zum Skifahren gehen (ja, tatsächlich sitzen die schon um halb 8 morgens im Bus!) muss ich zur Arbeit. So schnell ändern sich die Dinge.

Nun aber zurück zum allumfassenden Thema (zumindest hier in der Schweiz), dem WEF. Nachdem ich ja schon am Dienstag von Kollegen gehört hab, wer so alles in den letzten Jahren schon hier war, beschloss ich, meine Mittagspause auf der Hauptstraße zu verbringen und mal nach Promis Ausschau zu halten. Man hat ja sonst nix zu tun :D Nachdem ich mich mit Essen eingedeckt hatte, schlenderte ich also die Straße entlang, anfangs noch vertieft in mein Essen, bis ich plötzlich von ein paar Leuten vor mir zum noch langsameren Laufen gezwungen wurde. Als ich nun aufschaute, bot sich mir ein ungewöhnliches Bild. Vor mir liefen, große, dunkel gekleidete Männer, ausgestattet mit einem Knopf im Ohr. Eindeutig, das waren Bodyguards, und tatsächlich lief zwei Meter vor mir der einst mächtigste Mann der Welt: Bill Clinton! Wirklich sicher war ich mir anfangs nicht, aber als mich ein Kollege nach der Mittagspause dann drauf ansprach(er hatte mich in der fraglichen Gegend gesehen), ob ich ein paar Worte mit dem Ex-Präsidenten gewechselt hätte, war mir klar, er war es wirklich. Tags zuvor hatten mir beim Mittagsessen schon die anderen vom Büro erzählt, dass Clinton gern einfach mal so durch die Stadt schlendert. Aber das man ihn dann tatsächlich „trifft“ war schon aufregend. Nichts desto trotz bin ich nach ein paar Metern hinterherlaufen, an ihm vorbeigelaufen, für das Schießen eines Fotos hat mein Mut leider nicht gereicht, vermutlich wäre ich dann auch eher von den Bodyguards erschossen worden, hätte ich nach der Kamera in der Tasche gewühlt. Hab es später nochmal versucht aus der Ferne eines zu schießen, allerdings war der gute Mann irgendwo in ein Geschäft oder Hotel abgebogen. Aber immerhin gesehen! :)

Heute wollte ich dann testen ob sich nicht noch ein Sarkozy, Merkel oder Bill Gates (die laut Nachrichten alle gerade in der Stadt sind oder noch sein werden) blicken lässt, aber dank eines Termins in der Mittagspause, fehlte mir heut die Zeit fürs „Promiseeing“.

Dafür hatte ich dann mit ganz anderen „Problemen“ zu kämpfen. Brav hatte ich mir für meinen Außentermin ein Büroauto reserviert, komme in die Tiefgarage, und, kein Auto da. Gibt wohl einen Zweitschlüssel, der anscheinend genutzt wurde. Ich also wieder ins Büro und einem der drei Chefs in die Arme gelaufen. Aus Unwissenheit gefragt ob sich das Auto vielleicht noch wo anders befinden könnte, leider verneinte er das. Aber, er bot mir sein Auto an! Im ersten Moment dachte ich an das neue Büroauto, den schicken, noblen VW, der schon alleine Einparken kann (nicht, dass ich das nicht selber könnte), als ich dann aber in die Tiefgarage kam, auf die Fernbedienung drückte, meldete sich ein RIESIGER BMW X5, ein protziger Geländewagen in der Dimension eines Kleinbusses. Nach dem langjährigen Polo fahren ein Unterschied wie Tag und Nacht. Der erste Schock saß tief, währte aber nicht lange. Schnell sollte der nächste folgen. So groß ich auch bin, der Wagen war größer und so kletterte ich nun hinein. Nobel war er, das muss man ihm lassen. Zuerst (Schock Nummer zwei) fiel mir das Automatikgetriebe auf. Bin ich nicht gewohnt, gefällt mir auch nicht. Zum Glück hatte ich vor zwei Jahren schon ein paar Erfahrungen dieser Art gemacht und wusste zumindest, mit den Buchstaben etwas anzufangen. Obwohl diese im BMW leider nicht so ganz den Bedeutungen aus den amerikanischen entsprachen. Immerhin habe ich das Auto beim anfahren nicht gleich in die Wand gesetzt.

Mein Chef ist ein ganzes Stück größer als ich, deswegen wollte ich nun den Sitz etwas ans Lenkrad ziehen, doch die Frage war WIE?! Als ich alle am Sitz befindlichen Knöpfe durchprobiert hatte, war die Sitzposition ziemlich verstellt, nur näher saß ich immer noch nicht dran. Ich gab auf und rutschte ein wenig nach vorne, um das Gaspedal durchtreten zu können. Nicht besonders komfortabel, aber wirkungsvoll. Langsam und ruckartig ging die Fahrt nun los, rückwärts ausparken, eine enge Einfahrt hinauffahren und dann hinein in den bösen Straßenverkehr. Heil und als Ganzes kam das Auto anderthalb Stunden später auch wieder auf seinem ursprünglichen Parkplatz an. War ein Erlebnis, aber keins, was ich ständig wiederholen müsste.

Zum Abschluss noch meine allgemeinen Eindrücke dieser Tage in der Stadt. Es ist schon beeindruckend, wie international sich Davos aufgrund des WEFs anfühlt. In der Kernzone (und auch drum rum) fahren zig gepanzerte Luxuskarossen, Kleinbusse (Shuttleservice), durchnummeriert mindestens bis zur 54 und auf den Fußwegen kommen einem hunderte Menschen in schicken Anzügen entgegen. Dutzende Polizisten an Kreuzungen und Hoteleingängen, Kamerateams und Fotografen alle paar Meter. Chinesen und Inder en masse. Nicht zu vergessen die ständig kreisenden Hubschrauber, auch jetzt noch.

Das Ganze hat natürlich auch seine Schattenseiten. Genau dann, wenn man in der Stadt mit dem Auto unterwegs sein muss. Da ich oft noch nicht weiß, wo ich genau hin muss und die nicht abgesperrten Schleichwege noch nicht kenne, ist es ziemlich mühsam, sich durch die Stadt zu bewegen. An jeder Ecke staut sich der Verkehr, weil hunderte Luxuswagen wieder gleichzeitig irgendwo hin wollen.

Am Samstag werde ich mir das Treiben nochmal in aller Ruhe anschauen und vielleicht treffe ich ja auch noch den ein oder anderen Promi :D

Gestern Abend kam nun auch endlich der Beitrag im Schweizer Fernsehen, der letzte Woche im Büro gedreht wurde. Sogar „meine“ Baugrube wurde gezeigt. Cool! Vergleichbar hier, als wenn die Tageschau einen Beitrag drüber bringen würde.

 

22.01.11 - Vor und hinter den Kulissen der ersten Arbeitswoche

Nach vier Tagen Abstinenz wirds mal wieder Zeit für ein Update. Die Zeit habe ich nicht etwa genutzt, um meine Rückkehr nach Deutschland vorzubereiten :D

Ich roll das Feld mal von hinten auf. Seit heute schlag ich mich nun allein in der Schweiz durch. Heute Mittag habe ich meine Ma zum Bahnhof in Lindau gebracht. Und wenn man schon mal in Deutschland ist, dachte ich mir, nutz die Chance und geh einkaufen! Dank des Navis habe ich sogar ein großes Einkaufszentrum gefunden, als dieses auch noch ein Kaufland zu bieten hatte, war meine Freude kaum zu bändigen! So habe ich eine gute Stunde im Paradies verbracht und dabei festgestellt, das sich mein Einkaufsverhalten schon etwas verändert hat. Aus "Oh gott, zu teuer, nehm ich nicht" ist "Oh gott, so teuer.........aber in der Schweiz ist es noch viel teurer, also nehmen" geworden. Gelernt habe ich ich, das Kaufland zwar keine Kreditkarten, aber CHF nimmt. Gut zu wissen (zumindest für mich ;)

Doch nun zurück zu den letzten Tagen. Die erste Arbeitswoche habe ich inzwischen hinter mich gebracht. Die Aufgaben werden allmählich mehr und auch anspruchsvoller. Ich hatte sogar schon zwei Außentermine, keine weltbewegenden Sachen aber immerhin. Das Problem besteht darin, das ich die Objekte ja weder kenne, mich noch in Davos auskenne, und das Problem mit den Parkplätzen im Ort habe ich ja schon thematisiert. Der erste Außentermin am Mittwoch war das Beaufsichtigen eines Elektrikers, der einen vom zukünftigen Mieter gemeldeten Mangel beheben sollte. Der Auftrag: Fensterjalousinen logisch anordnen! soll heißen, sechs Bedienschalter, fünf Jalousinen (auf schweizerdeutsch: Store) und ein Sonnenrollo aber Tastaturbelegung war so willkürlich, das man hätte ein Glückspiel betreiben können, welches Rollo wohl mit welchem Schalter bewegt wird...) Es begann mit der Auswahl des Dienstwagens. Unter den beiden zur Auswahl stehenden hatte ich, als ehemaliger Polofahrer, mich für den Golf entschieden. Was ich nicht wusste: dieser ist eine rollende Müllhalde mit über 130.000 km auf dem Buckel. Und ich dachte immer, Firmen müssen sich repräsentieren! (um kein flasches Bild entstehen zu lassen, mein Büro ist das größte und bautätigste in Davos und gerade dabei ein drittes Büro in Bern zu errichten, also schon ein sehr erfolgreiches.) Aber zurück zur Arbeit. Der Nachteil an dem Firmenwagen ist, das man mit einem einheimischen Kennzeichen unterwegs ist, wenn man sich wie ich noch so gar nicht auskennt, ist das eher ungünstig. Dazu ein Navi, was mich anstatt zum entsprechenden Gebäude in die Tiefgarage der örtlichen Verkehrsbetriebe gelotst hat. Zu seiner Verteidigung, das Gebäude lag nebenan. Als ich es dann doch irgendwie geschafft hatte, das Objekt zu finden, inklusive eines nichtvorhandenen Parkplatzes, dachte ich schon, damit ist der "komische" Teil vorbei. Doch als ich zur Tür kam, standen da zwei etwas dusselige (und der Begriff ist gerechtfertigt, wie sich später herausstellte) Jungs, schätzungweise um die 20. Erstaunlich ist aber in der Tat, wieviel junge leute hier leben.

Die betreffende Wohnung ist bisher noch unbezogen, war aber auch so beeindruckend. Eine schicke Eigentumswohnung mit allerhand Raffinessen, etwas für den großen Geldbeutel. Die beiden Handwerker machten sich schnell an die Arbeit und ich begnügte mich mit der optimalen Aussicht auf meinen Firmenwagen und sich eventuell nähernden Knöllchenjägern.

Mir fiel direkt ein Stein vom Herzen als die beiden, auf meinen Vorschlag, doch den Strom abzustellen bevor sie mit dem Schraubenzieher in der Steckdose hantieren eingingen. Und die Pleiten, Pech und Pannen dieses Tages setzten sich fort. Versuch eins der Reparatur sollte nicht von Erfolg gekrönt sein. Die Anordnung der Schalter war leider nur anders, nicht logischer als zuvor. Versuch Nummer zwei dann schon eher, sowohl bei der sinnvollen Schalterbelegung, als auch beim Wiederanschrauben der Schalter.
Im Endeffekt hat dann aber doch alles geklappt und mein erster Außentermin erledigt.

Zum Feierabend wurde ich dann von einem Teil meiner Kollegen in die Davoser Trinkgewohnheiten eingeführt. Nach einem Desperados für 7 CHF (da reagt sich noch mal einer über die deutschen Getränkepreise auf ;) gabs einen "Kafi Luz" und einen "Flämmli". Beides Kaffeegetränke mit Schnaps, letzterer mit einem schönen Unterhaltungswert, da, wie der Name schon sagt, Zucker angezündet wird und das ist wirklich toll anzusehen :) Erstaunlicherweise habe ich es an diesem Abend doch irgendwie heimgeschafft, auch wenn der "Spaziergang" von der Bushaltestelle bei stockdusterem etwas mühsam war.
Für meinen Einstand wars ein sehr lustiger und schöner Abend, Teil zwei wird hoffentlich bald folgen, mit neuen Davoser Getränken :D

Der Donnerstag war ohne Kater ein relativ ruhiger Tag. Zumindest für mich persönlich. Im Büro gings bei anderen schon etwas turbulenter zu, denn das Schweizer Fernsehen hatte sich für einen Dreh angekündigt. Hätte ich beim Mittagessen ein bisschen mehr verstanden als sich die anderen drüber unterhalten haben, wäre ich vermutlich nicht so überrascht gewesen als das Kamerateam vor der Tür stand. Es ging wohl um die neuen Großprojekte des Büros, neben dem Hilton und Geschäftshaus (an dem ich arbeite) entsteht ab diesem Frühjahr ein weiteres Prestigeobjekt (http://www.intercontinental-davos.ch/).

Der Freitag begann für mich wieder mit einem Außentermin. Erst war kurz vor 8 Uhr morgens und schon lernte ich die erste Lektion des Tages. Der Bus, der bei mir fährt, kommt um diese Zeit nur einmal in der Stunde. Verpasst man diesen, hat man Pech. Da stand ich nun, noch unwissend, an der Haltestelle, allein, und wunderte mich warum der Bus nicht kommt. Der Blick auf den Plan sagte mir dann eben, das der Bus um die zeit noch nicht alle 20min kommt, wie den Rest des Tages. Also dackelte ich zurück um das Auto zu holen. Zum Glück hatte ich diesmal keine Verabredung sondern nur Arbeit in Eigenregie. Das Haus habe ich sogar im 2.Anlauf (ohne Navi) gefunden, nur die Orientierung im Haus gestaltete sich ohne Türschilder etwas schwierig. Aber wenn man einfach alle Türen mal öffnet, befindet sich spätestens hinter der letzten der gesuchte Raum! :) Mit Müh und Not habe ich es dann doch zurück ins Büro geschafft, leider auch die Znüni verpasst. Ansonsten keine weiteren Vorkommnisse, bis auf die Tatsache, das ich es geschafft habe, den ersten Freitag in diesem Büro schon die letzte abends zu sein, und es war gerade mal um 6. Nunja, nächsten Freitag passiert mir das (hoffentlich) nicht mehr! :D

Gestern abend ereignete sich dann noch etwas seltsames, beängstigendes. Das Dschungelcamp hatte mich bereits zum Einschlafen gebracht, als ich um kurz vor 12 dann doch wieder wach wurde um von der Couch ins Bett zu wechseln. Plötzlich fing es in unmittelbarer Hausnähe an zu krachen (man bedenke, ich wohne hier in totaler Abgeschiedenheit). Es klang nach einem Feuerwerk, aber das konnte ich mir hier nicht so recht vorstellen. Als ich das Fenster aufmachen wollte um zu schauen, kam gerade ein Mann mit einem Schrotgewehr am Fenster vorbei. GRUSELIG!!
Heute morgen haben wir dann von meiner Vermieterin erfahren, das ein paar Häuser weiter ein Gasthaus ist und da offensichtlich gefeiert wurde (was mich ja in gewisser weise freut das hier alles doch nicht so GANZ einsam ist). Für den Mann mit der Flinte gibt es folgende Erklärung: Jedes Jahr zum WEF (Weltwirtschaftforum) liegen tausende bewaffnete Soldaten in den Wäldern und sichern die Gegend ab. Spaziergänge werde ich nach Einbruch der Dunkelheit in nächster Zeit unterlassen...

Besagtes WEF wirft inzwischen seine gewaltigen Schatten voraus. In der Stadt selbst ist bereits eine Sperrzone errichtet, Häuschen aufgebaut an denen man nur noch mit Ausweiskontrolle reinkommt. Erinnert ein wenig an die DDR Zeit mit Grenzkontrollen und Sperrgebiet. Verkehrsregelungen werden geändert, aus Einbahnstraßen werden beidseitig befahrbare, Busse werden umgeleitet, der Flugraum über Davos wird gesperrt (ausgenommen die 20.000 Hubsschrauber am Tag) die Stadt im wahrsten Sinne im Ausnahmezustand. Ich bin schon auf nächstes Jahr gespannt, denn meine Baustelle liegt genau gegenüber des Kongresszentrums und somit inmitten der gesperrten Zone. Unter den Kollegen kursiert schon das Gerücht, das wir in zwei Jahren dann Zwangsurlaub in der WEF Zeit nehmen müssen, da unser Büro ja dann dort liegt :|

Und zum Schlussnoch in Kürze: das "ß" habe ich diese Woche vergeblich auf der schweizer Tastatur gesucht, haben sich die Schweizer in ihrem Alphabeth gespart. Welche Logik allerdings darin steckt, das man die Umlaute "Ä, Ö und Ü" nur als Kleinbuchstaben schreiben kann (eine "Umschalttaste" für diese drei gibt es nicht), hat sich mir noch nicht erschlossen.

Die obligatorische Vokabel (werden des öfteren aus der Baubranche kommen...) heute:

Sonnerie = Klingelanlage (ich hab ja angenommen, das es sich um Sonnenschutz handelt, aber ich hatte auch kein französisch)
ma luege (U und E getrennt sprechen, also kein "Ü") = mal schauen, mal sehen

Werde nachwievor angeschaut als ob ich keine Ahnung vom Fach hätte, weil mir die Worte unbekannt sind :(

 

17.01.11 - Der erste Arbeitstag

Heute war nun also mein erster Arbeitstag. Und wie das immer so ist am ersten Arbeitstag, gabs auch heute Informationen über Informationen von denen man das Gefühl hat, sich nie alles merken zu können.

Arbeitsbeginn ist um 8.00, ein bisschen zu früh für mich aber da muss ich durch. Kernarbeitszeit von 8.00 bis 12.00 und 14.00 bis 17.00. Ich habe einen 8,36h Tag, könnte also bei einer Mittagspause von 60min. den Stift um 17.36 fallen lassen. Als Neuling war ich heut nett und hab ein paar Minuten länger gemacht, aber als ich um kurz vor 6 gegangen bin, war das Büro fast leer. Generell ist es recht frei, solange man auf seine 43 Wochenstunden kommt, fragt keiner nach wann und wie. Zusätzlich zur Mittagspause gibt es zwei kleine Kaffeepausen um 9.00 und um 16.00. Und als ob ich heut nicht schon genug neue Wörter dazulernen hätte müssen, haben diese kleinen Pausen auch SEHR spezielle Namen: Znüni und Zwieri. Wers nicht gleich erkannt hat, da stecken "neun" und "vier" drin. Ich muss das alles beim Hören "Verstehen" :|

Ich komme mir schon so vor, als ob ich eine neue Fremdsprache lerne. Teilweise verstehe ich überhaupt (noch) nichts wenn sich die anderen miteinander unterhalten. Leider gebrauchen die Schweizer auch für das Baufachvokabular ganz andere Wörter, was das Arbeiten schwierig macht. Aber mit der Zeit wirds schon werden.

Etwas einfacher sind da schon die Namen der Kollegen. Neben Peter, Peter und Peter konnte ich mir auch Stefan, Stefan und Stephan recht schnell merken. Nur die Name-Person Zuordnung klappt noch nicht so ganz. Die anderen Namen sind zum Glück alle nur einmalig im Büro vertreten. Das Büroteam ist erstaunlich jung. Der Altersdurchschnitt dürfte bei Anfang 30 liegen. Kommt mir natürlich zugute, so klappt der Anschluss hier schneller. Am Mittwoch gibts schon die erste Bürobierrunde (als Einstand für mich :) So lerne ich gleich mal ein wenig das Davoser Nachtleben kennen.

Zwei meiner Kollegen (und ich hoffe inständig, es werden nicht noch mehr) haben eine Eigenart bei ca. 90% ihrer Sätze am Ende ein "oder" anzuhängen. Man weiß nie ob man antworten soll oder nicht. Bspw. Bei uns isch jetzt znüni, oder? Soll man darauf antworten?? Als ich einmal gedacht hab, 'nein, das war ja keine Frage' fragte die Kollegin gleich nochmal ODER also hab ich dann doch wieder mit "hmh" geantwortet. Einigen dürfte dieses Phänomen ja durchaus bekannt vorkommen, NICH??! :D

Aber zurück zum wesentlichen, was mache ich eigentlich als Jungbauleiter? In Kürze (ich hoffe nicht zu schnell) kriege ich schon meine eigene Baustelle. Ich werde zusammen mit dem Peter (meinem Betreuer) den Bau des Davoser Hilton Hotels leiten, er das Hotel und ich ein kleineres, direkt angrenzendes Büro- und Geschäftsgebäude, in das unser Büro nächstes Jahr einziehen will. Da bis April noch Baustopp herrscht (rechtlich vorgeschrieben, wenn ein Gebäude über den Winter noch nicht luftdicht abgeschlossen ist, also noch kein Innenausbau möglich ist), sitze ich vorerst noch hauptsächlich im Büro.

 

15.01.11 - Paradies Media Markt, Übergrößen und der "61-Effekt"

Heute hatte ich das Gefühl, das ich doch gern mal wieder etwas Großstadtluft schnuppern möchte. Ja das ging schnell...Auf der etwas ernüchternden Suche nach einem Elektronik Fachgeschäft (gibt es durchaus nur das Angebot ist klein) haben wir beschlossen, ins eine Stunde entfernte Chur zu fahren und den dortigen Media Markt unsicher zu machen. Noch nie hab ich mich so über einen Bummel durch diesen Laden gefreut!

Auf dem Rückweg haben wir dann noch an einem Supermarkt gehalten. Dabei habe ich zwei Dinge gelernt:

1. Im Tal ist es nicht Essenautomatisch preiswerter als auf dem Berg (als Ostdeutsche und (Ex-)Studentin ist für mich hier ALLES (noch) verdammt teuer und ich könnte bei jedem Artikel weinen :D ).

2. Die Verpackungsgrößen sind wohl nach amerikanischen Standard bemessen. Bsp.: 18 Rollen Klopapier in einer Packung oder dem Kilo Erdnüsse, welches ich gestern schon gekauft habe.

Ein weiteres Erlebnis heute war der Schreck, den ich bekommen habe, als wir mit dem Bus zum Davoser See fahren wollten. Nun wimmelt es im Winter ja geradezu von Ski- und Snowboardfahrern, aber bisher waren die Busse doch so moderat gefüllt, das man problemlos mitfahren konnte. Nicht so heute, für einen kurzen Moment holte mich der Heimatgedanke ein. Die gute 61, vollgestopft mit Studenten, denen man nur beim Weiterfahren von draußen nachwinken kann. Im Gegensatz zu Rucksäcken zeichnen sich Skier und Snowboards leider nicht besonders durch platzsparendes Verhalten aus. Damit war unser Ausflug zum See gestrichen - zumindest für heute.

Nun wohne ich ja etwas ab vom Schuss in der (landschaftlich herrlichen) Einöde und doch ist hier relativ viel los. Morgen reist mein Etagennachbar Stefan für 2 Monate durch die Welt, als erstes zum Skifahren nach Amerika. Und weil einer rüberfliegt, müssen ein paar Amis die Statistik ausgleichen und so kriegen wir nächstes Wochenende Besuch von vier Amerikanern, die im Rahmen des Weltwirtschaftsforums (26. - 30.01.11) für insgesamt zwei Wochen hier campieren. Da meine Vermieterin des Englischen nicht besonders mächtig ist (was ihr ja auch nicht zu verübeln ist) hat sie mich gebeten, wenn nötig zu dolmetschen. Vielleicht hab ich ja Glück und einer von denen ist Bill Gates *lol*

 

14.01.11 - Hallo Schweiz!

Da bin ich nun also, angekommen in meiner neuen Heimat Davos. Heute ist nun schon der dritte Tag und man glaubt es kaum, aber auch hier vergeht die Zeit recht schnell, obwohl es die Schweiz ist.


Aber mal von Anfang an.


Am Dienstag dem 11.1.11 bin ich planmäßig in eine neue Ära meines Lebens gestartet. Die Fahrt war erstaunlich unproblematisch abgesehen von einem kurzen Stopp aufgrund plötzlichen Ölverlustes. Ein letzter Halt in Lindau, um uns mit deutschen Lebensmitteln einzudecken und schon gings durch Österreich hindurch in die Schweiz. Das Wetter war den ganzen Tag optimal, der Schnee fast weggetaut und teilweise schien die Sonne. Bis zum letzten Abschnitt, die Straße hoch nach Davos. Dicke Nebelschwaden ließen schlimmes erahnen und lustiger weise, lag auch hier nur noch wenig Schnee. Aber kaum war das Ortsschild erreicht, nahm der Schnee wieder zu und der Nebel verschwand wieder.


Dank dem Navi haben wir es ohne Umwege direkt bis vor das Haus geschafft. HausDie Vermieterin, eine Dame um die 60, begrüßte uns sehr freundlich. Sie zeigte uns die Wohnung, den Keller und die Garage, in der mein Auto die nächste Zeit wohnen darf. Der erste Eindruck war toll und ich war sehr erleichtert, schließlich musste ich die Wohnung ungesehen mieten, und das bei guter Führung für mindestens ein Jahr. Sie ist möbliert, liegt im ersten Stock, hat zwei Zimmer, einen Balkon auf der einen, eine Terrasse auf der anderen Seite. Bis auf ein wenig auspacken, den Fernseher testen (SAT TV, alle deutschen Sender und mehr – juchuu :) ) ging am ersten Abend nicht mehr viel. Leider, und das war das schlimmste, auch das Internet nicht.


Diese Problem musste schnellstmöglich behoben werden und so war meine erste Amtshandlung am Mittwoch (ok, nach dem Frühstück), meine Vermieterin um 10 aus dem Bett zu klingeln. Sie konnte mir leider nicht weiterhelfen. Da kam auch schon das nächste  Problem auf mich zu: telefonieren. Die Handlung an sich ist ja kein Problem aber ich habe weder die telefonisch zur Hilfe gerufene Enkelin verstanden noch den Techniker, dessen Nummer sie mir gegeben hatte. Dieser konnte mir auch nicht weiterhelfen und bot an, am Nachmittag vorbeizukommen.  Ohne Verbindung zur Außenwelt haben wir uns dann erst mal auf den Weg in die Stadt (ja, Davos ist eine Stadt :D ) gemacht. Ein kurzer Besuch im Büro hat mir außer dem kurzen Emailcheck noch nicht viel gebracht, weil die für mich relevanten Personen nicht da waren. Wie soll man das auch wissen, so ohne Internet…Voller Optimismus haben wir uns dann auf den Weg zu einigen Geschäften gemacht, aber Pustekuchen. Was wir nicht bedacht hatten: in Davos haben die meisten Geschäfte zwischen 12 und 14 Uhr Mittagspause. So standen wir pünktlich 5 nach 12 vor einem Elektronikgeschäft. Zumindest die Lebensmittelgeschäfte haben durchgehend offen und so haben wir kurz ein paar Dinge geholt und sind wieder heimgefahren, zum Mittagessen. Am Nachmittag gings dann mit Versuch Nummer zwei besser. Allerdings machen sich zwei Probleme hier schnell bemerkbar. Erstens wohne ich 7km außerhalb des Stadtzentrums (was im Normalfall ja keine Entfernung ist), was nun zu Fuß etwas weit ist und zweitens gibt es im ganzen Ort keine kostenfreien Parkplätze, bzw. wenn mans genau nimmt KEINE Parkplätze. Da überlegt man sich schon dreimal ob man in die Stadt muss. Aber man sollte nicht unterschlagen, das Davos ein hervorragendes Ortsbusnetz hat und die Taktung bis Mitternacht kaum schlechter ist als in deutschen Großstädten. Ich werde mir morgen eine Jahreskarte holen!


Am Nachmittag stand der Termin mit dem Techniker an. Er fand das Problem schnell und konnte zu meiner großen Freude und Erleichterung helfen. Endlich wieder Weltanbindung!! Und meine Vermieterin ist um ein paar (viele) Schweizer Franken ärmer. Bei einer Unterhaltung der beiden musste ich dann wieder erschrocken feststellen, dass ich kein Wort verstanden habe. Das kann lustig werden.

Zum „Dank“ wurde mir dann gleich noch ein auf dem Dachboden eingestaubtes Keyboard aufs Auge gedrückt. Bloß gut das ich mein altes nach 10 Jahren Spielabstinenz verkaufen wollte…:|


Der Tag endete mit ein wenig umdekorieren (Optimierung der Möbelstellung) in der Wohnung und einem Abendspaziergang bei Schneefall ums Haus.


Am Donnerstag ging mein erster Weg wieder ins Büro. Diesmal war die Sekretärin anwesend und zeigte mir schon vorab kurz meinen zukünftigen Arbeitsplatz und stellte mich bei den anwesenden Kollegen vor. Zu meinem Glück gibt’s noch nen weiteren Deutschen, über den ich mich im ersten Moment gefreut hab (so als „Dolmetscher“), als er dann aber erzählte, das er schon seit 4 Jahren in der Schweiz ist, bin ich mir mit dem Verstehen nicht mehr so sicher (man hörte das Schweizerdeutsch deutlich hervor). Nach dem Kurzbesuch im Büro hab ich den Tag dann mit Behördengängen verbracht. Da ich nicht alles erledigen konnte musste der Rest dann heute folgen. Inzwischen ist alles Wichtige erledigt.


Meine neuste Errungenschaft ist eine Erkältung, pünktlich zum Arbeitsbeginn nächste Woche :| Und das bei der guten Natur hier. Gestern habe ich gelernt, dass man in der Schweiz Quellwasser zum Klospülen nimmt. Toll.